Redensarten Lexikon
Ulrich
Den (heiligen) Ulrich anrufen, Sankt Ulrich rufen: sich erbrechen; ein besonders in süd- und westdeutschen Mundarten viel bezeugter und seit dem 16. Jahrhundert auch literarisch belegter Wortwitz, der kaum auf den 993 heiliggesprochenen Bischof Ulrich von Augsburg zurückzuführen ist, sondern der einfach auf dem Gleichklang des Wortanfangs ›Ulr‹ und den Lauten des sich erbrechenden Magens beruht. Früher gebrauchte man in gleichem Sinne auch den Ortsnamenscherz ›Nach Speyer appellieren‹ wegen des Wortanklangs an ›speien‹ = sich übergeben. Der Wortwitz beruhte außerdem darauf, daß Speyer bis 1689 Sitz des Reichskammergerichts war. Heutzutage sagt man zu einem, der sich übergeben muß, auch: ›Du wirst alt!‹, und auf die erstaunte Frage ›Warum?‹ erhält er zur Antwort: »Unser Leben währet siebzig Jahr, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre.« (Psalm 90, 10).
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