Redensarten Lexikon
Schwemme
Sich nach der Schwemme wieder im Dreck (Kot) herumwälzen: sich nach der Reinigung sofort wieder beflecken, nach kurzer Reue und Besserung wieder dem Laster verfallen, nach der Absolution erneut sündigen. Diese Redensart mit ihrer ausgesprochen moralisch-religiösen Bedeutung beruht auf einem alten Sprichwort, das 2 Petr 2, 22 auf die Irrlehrer bezogen wird, von denen es heißt: »Es ist ihnen widerfahren das wahre Sprichwort: ›Der Hund frißt wieder, was er gespieen hat‹ und ›Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot‹. Das Substantiv ›Schwemme‹ ist von ›schwemmen‹ = schwimmen machen abgeleitet und bezeichnet den Ort der Handlung, eine tiefere Stelle im Gewässer, und das Waschen im Fluß selbst.    In die Schwemme wurden die Pferde geritten und von den Knechten gesäubert, Schweine und geschorene Schafe trieb man ebenfalls hinein, außerdem diente sie früher auch als Badeplatz der Menschen, als es noch keine öffentlichen Freibäder gab. Da die Schwemme aber auch zur Bezeichnung des Gasthauses, der Wirtsstube, in der nur einfache Gäste verkehrten, des billigen Restaurants in einem vornehmen Hotel, das die Bediensteten der Reisenden aufsuchten, diente und man einfache Bierlokale so benannte, entstanden Redensarten mit humorvoll übertragener Bedeutung Sie dienten der euphemistischen Umschreibung des Trinkens und des häufigen Aufenthaltes in einem Lokal, wie z.B. Einen in die Schwemme reiten: selbst ins Wirtshaus gehen oder einen anderen zum Trinken auffordern; Den Mund (die Zunge) in die Schwemme reiten: viel trinken, eigentlich den Mund mit Alkohol überschwemmen, waschen. Will man wissen, ob einer ein Wirtshausgänger ist, fragt man scherzhaft: Er ist wohl oft in die Schwemme geritten? trinken.
   Selbst in obszönem Sinne wurde das Wort verwendet, wie ein literarischer Beleg (Fastnachtsspiele, Ausgabe v. Keller, 143, 8) erweist:

   Eur frau erkennt zu aller Zeit,
   Das ir in ein fremde schwem reit.

In die Schwemme kommen: in eine unangenehme Zwangslage, in höchste Bedrängnis geraten; vgl. die moderne Wendung ›In der Patsche (Tinte) sitzen‹. Zur Erklärung dieser Redensart, die einen ganz gegenteiligen Sinn besitzt, kann man die tatsächlich bezeugte Wortbedeutung von Überschwemmung heranziehen, die dem Betroffenen gefährlich werden oder Schaden bringen kann. Wahrscheinlicher ist es jedoch, daß die Redensart die Erinnerung an die mittelalterliche Strafe des Schwemmens bewahrt. Der Übeltäter wurde dazu auf einen Knüttel oder in einen Korb gesetzt und dann ins Wasser geschleudert, das an der Stelle der Schwemme so tief war, daß er keinen Grund mehr fand. Erst kurz vor dem Ertrinken wurde der auf diese Weise Bestrafte wieder herausgezogen. Außerdem fand in ganz ähnlicher Weise die ›Wasserprobe‹ statt, mit der man eine angeklagte Hexe erkennen und überführen wollte. Sie galt dann als schuldig, wenn sie nach dem Eintauchen sofort wieder oben schwamm. Vor allem darauf bezieht sich wohl die Wendung Jemanden in die Schwemme bringen: ihn in Unannehmlichkeiten bringen, ihn seiner Strafe zuführen.
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