Redensarten Lexikon
schlafen
Den Schlaf des Gerechten schlafen: tief und ruhig schlafen, ohne sich stören zu lassen. Der ›Schlaf des Gerechten‹ ist wörtlich nicht in der Bibel zu finden, doch ist sinngemäß des öfteren die Rede davon. So z.B. Spr 24, 15: »Laure nicht als ein Gottloser auf das Haus des Gerechten, verstöre seine Ruhe nicht«, oder Lev 26, 6: »Ich will Frieden geben in eurem Lande, daß ihr schlafet und euch niemand schrecke«. Vgl. auch Ps 3, 6.7; 4, 9; Spr 3, 24. Die gleiche Redewendung kennen auch andere Völker: englisch ›the sleep of the just‹; französisch ›le sommeil du juste‹; italienisch ›il sonno del giusto‹.    Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf sagt man von einem, der ohne erkennbare Anstrengung etwas erreicht hat. Auch hier liegt ein Bibelwort zugrunde. Ps 127, 2 sagt: »Es ist umsonst, daß ihr früh aufstehet und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er's schlafend«. Eine Kontamination beider Sprichwörter ist: Dem Gerechten gibt's der Herr im Schlafe.
   Das fällt mir nicht im Schlaf (im Traum) ein ist eine sehr entschiedene Verweigerungsform: daran ist gar nicht zu denken. Selbst im Traum, in dem doch die unwahrscheinlichsten Dinge geschehen, könnte einem so etwas nicht einfallen; vgl. schon lateinisch ›Ne per somnium quidem hoc velim‹.
   Der kann sanft schlafen, der keine Sorge hat ist etwa gleichzusetzen mit: ›Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen‹. Schon im Mittelalter findet sich dieses Sprichwort in zahlreichen Varianten.
   Wer sehr fest schläft, von dem sagt man: Er schläft auf beiden Ohren, um anzudeuten, daß er sich durch keinerlei Lärm stören läßt. In Warschau heißt es jüdisch-deutsch: ›Er schluft wie a Gehargenter‹ (ein Erschlagener, von hebräisch hurog = erschlagen). Vgl. französisch ›Il dort sur ses deux oreilles‹. Gleicherweise sprechen wir von Schlafen wie ein Toter.
   Zahlreiche redensartliche Vergleiche gibt es für ›fest und lange schlafen‹, vor allem solche, die aus dem Tierreich übernommen sind. So kann man Schlafen wie ein Bär, der ja einen langen Winterschlaf hält, oder Wie ein Dachs, Wie ein Murmeltier; vgl. französisch ›dormir comme un loir‹; oder Wie eine Katze.
   Allgemein gebräuchlich ist die Redensart Schlafen wie ein Ratz (oder eine Ratze), wovon das Verbum ›ratzen‹ für schlafen abgeleitet ist. Mit Ratz(e) ist nicht etwa eine Ratte gemeint, sondern der Siebenschläfer, der in Süddeutschland. auch die Schlafratz oder schlechtweg Ratz genannt wird und sich im Winter in einem schlafähnlichen Zustande befindet. Nach Brehm heißt der Iltis auch Ratz, und von diesem sagt er, er ruhe oder schlafe den ganzen Tag, woher die obige Redensart komme.
   Wer tief und ohne sich zu bewegen schläft, Schläft wie ein Stock. Spottend sagt man auch: Er schläft wie ein Beamter.
   Jemanden den Schlaf nicht austragen lassen: jemanden bei einem kurzen Besuch zum Sich-Niedersetzen einladen.
   Ich will drüber schlafen oder Ich überschlaf es erst einmal: ich will es genauer überlegen, möchte nichts überstürzen. »Wir wöllen heut drüber schlaffen« (Franck I, 50); lateinisch ›de mane consilium‹ (Sutor 118).
   Von jemandem, der den ganzen Tag über schläft, sagt man: Er schläft ein Loch in den Tag hinein.
   Den unruhigen, leichten Schlaf bezeichnet man als Hasenschlaf, denn man sagt, die Hasen schliefen mit offenen Augen, sie seien auch im Schlaf noch wachsam.« Er schläft mit offnen Augen wie ein Hase« (Franck II, 73a). Die Holländer sagen zu vorsichtig-wachsamem Schlaf: ›slapen as de kraanvogels‹.
   Er schläft den ewigen Schlaf oder Er ist entschlafen umschreibt den Tod eines Menschen. Diese Redewendung geht auf Jer 51, 39 zurück: »Ich will sie ... trunken machen, daß sie fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen, von dem sie nimmermehr aufwachen sollen, spricht der Herr«, zeitlich.
   Schlafmütze nennt man seit dem 17. Jahrhundert die leinene Kopfbedeckung, die nachts getragen wurde. Seit Lessing steht das Wort fast häufiger für einen schläfrigen, trägen Menschen: eine Art pars pro toto, das den Träger nach dem Kleidungsstück benennt; vgl. französisch ›Bonnet de nuit‹.
   Schlaflaus Laus.

• C. WALTER. To lange geslapen. Ein Sprichwort vom Spätaufstehen, in: Korrespondenzblatt der Ver. für niederdeutsche Sprachforschung 5 (1881), S. 207; J. DE LANGHE: Hij slaapt te Meneere Verstraete's en drinkt te Madam Verpompe's, in: Biekorf 34 (1928), S. 91; L. SCHMIDT: Sprichwörter deutscher Redensarten, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 77 (1974), S. 118; W. SCHWARZ: Er schläft bis in die Motzen, in: Sprachdienst 18 (1974), S. 179; ANON: Er schläft bis in die Motzen, in: Sprachdienst 19 (1975), S. 112.}

Der Schlaf des Gerechten. William Hogarth, ›Der Schlaf des Gerechten‹, 1736, aus: James Laver: Populäre Druckgraphik Europas. England vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, München 1972, Abbildung 93.

Schlafen wie ein Murmeltier. Grandville, G.W., Bd. 2, S. 974.

Schlafmütze. Zeichnung von Wilhelm Busch: ›Die
   fromme Helene‹, 2. Kapitel ›Der Geburtstag‹.
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