Redensarten Lexikon
Neujahr
Jemandem das Neue Jahr abgewinnen: jemandem mit den Neujahrsglückwünschen zuvorkommen. Die im 19. Jahrhundert mundartlich bezeugte Redensart scheint eine alte abergläubische Vorstellung am Leben zu erhalten: am 1. Januar soll man der erste beim Glückwunsch sein, denn das bringt einem selbst Glück oder sichert sogar ein Geschenk, das ebenfalls als gutes Omen für den Verlauf des neuen Jahres gilt.    Im Böhmerwald (v. Reinsberg-Düringsfeld, Fest- Kalender aus Böhmen, Prag o.J., S. 3f.) ist am Neujahrsmorgen jeder ängstlich bemüht, dem anderen mit seiner Gratulation zuvorzukommen; so wünscht etwa ein Knecht seinem Mitknecht:

   Brüaderl! Nuis Johr! Nuis Johr!
   's Kristkin'l liegt im Kröstnhoor (im krausen Haar);
   Longs Lö'm (Leben), longs Lö'm,
   Und an Badl (Beutel) völl Gald (Geld) danö'm (daneben)!

Einem Mädchen wünscht man:

   Longs Lö'm, longs Lö'm
   Und an schei'n (schönen) Mo (Mann) danö'm!

Einem Burschen:

   Longs Lö'm, longs Lö'm
   Und a schei's Wa (Weib) danö'm!

Oder die Schwester neckt ihren Bruder:

   Longs Lö'm, longs Lö'm
   Und hüsch (hübsch) viel Schlö (Schläge) danö'm!

Auch in Westfälischen sucht jeder dem anderen ›das Neujahr abzugewinnen‹, um danach eine kleine Gabe (Kuchen, Äpfel, Nüsse usw.) zu erhalten; in einem Schaltjahr jedoch muß der Gewinnende das Neujahr geben. Die Redensart ist jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch wenig geläufig.

• P. HEITZ: Neujahrswünsche des 15. Jahrhunderts (Straßburg 2. Auflage 1900); J. KÜNZIG: Neujahrslieder in Baden, in: Mein Heimatland 7/8 (1928), S. 235-347; W. ESCHER: Dorfgemeinschaft und Silvestersingen in St. Antönien (Basel 1947); K.M. KLIER: Das Neujahrssingen im Burgenland (Burgenländische Forschungen 11) (Eisenstadt 1950); H. SIUTS: Die Ansingelieder zu den Kalenderfesten (Göttingen 1968), S. 26ff.
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