Redensarten Lexikon
Johannes
Dastehen wie ein hölzerner Johannes: steif, plump und unbeholfen dastehen. Die heute nicht mehr geläufige Redensart bezieht sich auf die Holzbilder von Johannes dem Täufer, die in früheren Jahrhunderten am 24. Juni in Stuben und auf Straßen gezeigt wurden und dem Volk bekannte Erscheinungen waren, auch, z.B. in Leipzig, ›Johannismännchen‹ genannt wurden. Es ist allerdings auch nicht völlig ausgeschlossen, daß die Redensart in Beziehung zu dem weitverbreiteten Schwank vom ›hölzernen Johannes‹ (Aarne- Thompson 1510) zu bringen ist, einer westeuropäischen Redaktion der ›Matrone von Ephesus‹, worin eine Frau den Körper ihres verstorbenen Mannes in Holz nachschnitzen läßt, um sich daran zu wärmen, wobei in den einzelnen Varianten der Name Johannes überwiegt. In denselben Zusammenhang gehört auch der volkstümliche Spruch: ›Wie die Nase des Mannes, so ist auch sein Johannes‹, wobei ›Johannes‹ hier das männliche Glied meint.    Der erneut entflammte Geschlechtstrieb alternder Männer wird scherzhaft mit dem erneuten Pflanzenwuchs verglichen und als ›Johannestrieb‹ bezeichnet.
   Da der Johannistag durch die an ihm veranstalteten umfangreichen Feiern besonders für Kinder ein erlebnisreicher Tag war, kam in Sachsen die Redensart auf: lang wie ein Johannistag, zumal der 24. Juni ohnehin zu den Tagen mit der längsten Tageslichtdauer gehört. Diese Redensart wurde dann von der zeitlichen Ausdehnung bildlich auch auf die räumliche übertragen: ›er machte e Gesichte so lange wie der Johannistag‹.
   Er ist immer Johannes in eodem Matthäus.
   Hölzerner Johannes hölzern.

• K. RANKE: Der ›hölzerne Johannes‹, in: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde 4 (1953), Neudruck in: 90-114.
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Ansicht: Johannes