Redensarten Lexikon
frech
Frech wie Oskar: dreist, keck, ist ein besonders in Mittel- und Nordostdeutschland verbreiteter sprichwörtlicher Vergleich, dessen Geschichte noch nicht geklärt ist. Wahrscheinlich stammt er aus der Umgangssprache Berlins und hat sich von dort weiter ausgebreitet. Es ist nicht bekannt, ob in diesem Oskar der Name einer bestimmten Persönlichkeit weiterlebt und wer diese war. Der Duden leitet die Wendung vom Namen des Kritikers Oskar Blumenthal (1852-1917) ab, der sehr scharfe und beißende, d.h. ›freche‹ Kritiken schrieb, während H. Küpper sie in Zusammenhang bringt mit dem Leipziger Jahrmarktsverkäufer Oskar Seifert, der wegen seiner derben Ausdrucksweise bekannt wurde. A. Földes hingegen weist darauf hin, daß verschiedene Forscher in der Wendung keinen Phraseologismus mit Eigennamen sehen, sondern Oskar über ›ossoker‹ aus jiddisch ›ossik‹ = frech, verhärtet, erklären.    Andere sprichwörtliche Vergleiche mit frech sind ebenfalls sehr gebräuchlich, z.B. frech wie Dreck (oder Gassendreck), frech wie Rotz am Ärmel, frech wie eine Mücke (oder Fliege), frech wie ein Rohrspatz (vgl. ›Schimpfen wie ein Rohrspatz‹, schimpfen), rheinisch ›frech wie ne Bur, der gebicht hät‹, ›frech as en mager Ferken‹, und werden zumeist gebraucht im Sinne von dreist, unverfroren, unverschämt, anmaßend, ohne Anstand. Daß freche, hemmungslose Menschen oft mehr Erfolg haben als die Zaghaften, läßt sich auch aus dem Sprichwort ›Frechheit siegt‹ ersehen (›Frechdachs‹ Dachs).
   Frech werden: lautstark und unverschämt werden, (in Worten und in Taten) angreifen. In diesem Sinne ist die Wendung literarisch schon im 19. Jahrhundert belegt, so unter anderem in dem Studentenlied aus ›Gaudeamus‹ von J. Viktor von Scheffel (1867): »Als die Römer frech geworden ...«.
   Der Begriff ›frech‹ wird vielfach auch auf Menschen bezogen, die ›frech‹ gekleidet sind, d.h. wenig anhaben – mehr aus- als angezogen sind.

• F. MÜLLER: ›Frech wie Oskar‹, in: Sprachpflege 18 (1969), S. 25; AN.: ›Frech wie Oskar‹, in: Sprachpflege 18 (1969), S. 237; G. GROBER- GLÜCK: Motive und Motivationen in Redensarten und Meinungen (Marburg 1974), S. 143-144; A. FÖLDES: Onymische Phraseologismen als Objekt des Sprachvergleichs, in: Europhras 88, Phraséologie Contrastive (Straßburg 1989), S. 128.
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