Redensarten Lexikon
Erste\(r\)
Als Erste(r) durchs Ziel gehen: den Wettkampf gewinnen. Alles, was zum ersten Mal geschieht, was man als Erste(r) erlebt, ist von besonderer Wichtigkeit. Volkserzählungen zeigen, daß der Anfang, das Erste und Neue als etwas Bedeutungs- und Wirkungsvolles angesehen wird. Auf das Erste und Neue konzentriert sich die ganze Kraft, es gehört zum Besten. Das wird z.B. ausgedrückt in den Wendungen: ›Erster Klasse‹, ›Erste Garnitur‹, d.h., es gibt nichts Besseres, darüber hinaus gibt es nichts. In scherzhafter Umkehr heißt es in der Jugendsprache auch: Erster von hinten, d.h. jemand ist absolut der Letzte. Ähnliche Bedeutung haben die Wendungen ›Aus erster Hand‹ und ›Aus erster Quelle‹: vom Ursprung her.    Dagegen weisen die Wendungen ›Der erste beste‹, ›Der erstbeste‹ oder ›Die erste beste Gelegenheit‹ nicht auf das Beste, sondern auf den zufällig als Erster Erscheinenden, auf die zufällige erste Gelegenheit.
   Häufig zitiert wird auch (Mt 19,30): »(Aber viele, die da sind) die Ersten, werden die Letzten, und die Letzten werden die Ersten sein«. (Warnung Jesu vor dem lohnsüchtigen Mietlingssinn.)
   Der Erste (kommenden Monats) steht bevor: Zahlungen sind fällig. Sie ist die Erste nicht: Es gab vor ihr schon viele mit gleichem Schicksal (›Faust‹ I, Feld); der verächtliche Ausspruch Mephistos nach Gretchens Verführung ist sprichwörtlich geworden. Hand Quelle zuerst.

• F.C. PORTER: »The Sayings of Jesus about the First and the Last« (Mt. 19, 30). In: Journal of Biblical Literature 25 (1906), S. 97-100; C.W.V. SYDOW: Die Begriffe des Ersten und Letzten in der Volksüberlieferung, in: Selected Papers on Folklore (Copenhagen 1948), S. 146-165; L. HONKO: Artikel ›Erster, Erstes, Zuerst‹, in: Enzyklopädie des Märchens IV, Spalte 280-293.
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