Redensarten Lexikon
Axt
Die Axt an die Wurzel legen: eine Sache gründlich beseitigen, radikal, d.h. von der Wurzel her ausrotten. Die Redensart ist biblischen Ursprungs (vgl. Mt 3, 10; Lk 3, 9). Bei Abraham a Sancta Clara (1644-1709) findet sie sich in der Form: »die Axt an den Baum setzen«.    Der Axt einen Stiel finden: eine Handhabe finden, besonders gegen jemanden. Deutlich wird der Sinn der Redensart in dem auch selbständig überlieferten Spruch:

   Wenn man einem übel will,
   So findet man der Axt leicht einen Stiel.

Die Wendung ist bereits 1587 im ›Buch der Liebe‹ bezeugt: »ich wüst diesem beihel einen styl«; bei Christian Weise (›Tobias‹ I, 15) heißt es: »so wird der Axt bald ein Stiel gefunden werden«.
   Einem den Stiel zu seiner Axt geben: seinem Feinde Hilfe und Rat erweisen, beruht auf einer Aesopischen Fabel.
   Die Axt stracks hinwerfen: vorschnell aufgeben (›Die Flinte ins Korn werfen‹), Flinte.
   Der Axt den Stiel nachwerfen: alles verloren geben.
   Der stirbt nicht ohne Axt: einer ist so zählebig, daß er nur stirbt, wenn man ihn totschlägt. Die Redensart wird besonders von einem Kranken gebraucht, der wider Erwarten gesund geworden ist.
   Ohne Axt in den Wald gehen: etwas anfangen, ohne die erforderlichen Mittel zur Ausführung zu besitzen.
   Sich benehmen wie eine Axt im Walde: sehr ungesittet, rücksichtslos vorgehen.
   Das Sprichwort ›Die Axt im Haus erspart den Zimmermann‹ will besagen, daß ein geeignetes Werkzeug sowie eine gewisse Geschicklichkeit mit seinem Umgang die Hilfe eines Fachmannes ersparen. Es stammt als Zitat aus F. Schillers Drama ›Wilhelm Tell‹ (III, 1) von 1804: Tell hat gerade eine Reparatur mit der Zimmeraxt an seinem Haustor beendet. Indem er die Axt weglegt, sagt er zu seiner Frau: »Jetzt, mein' ich, hält das Tor auf Jahr und Tag. Die Axt im Haus erspart den Zimmermann«.
   Scherzhaft sagt man heute mitunter: ›Die Axt im Hause erspart den Rundfunkmechaniker‹; eigentlich: eine letztlich teure Reparatur ist fragwürdig; es ist einfacher und billiger, das Gerät gleich selbst zu demolieren.

• W. MIEDER: Die Axt im Haus erspart den Zimmermann, in: Sprachspiegel 40 (1984), S.137-142.
Einem den Stiel zu seiner Axt geben. Steinhöwel: Esopus, Die XIIII. Fabel ›von dem man vnd der agxst‹.
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