Redensarten Lexikon
ausreißen
Ausreißen wie Schafleder (seltener Schafleder) geben): eiligst die Flucht ergreifen, sich schnell davonmachen. Die seit dem 16. Jahrhundert bezeugte Redensart ist zunächst ganz wörtlich verstanden worden: Das weiche Schafleder reißt beim Spannen leichter als Schweins- oder Rindsleder. Obersächsisch ›Diß reißt aus wie Schaafleder‹, es ist unbegründet, hält nicht Stich (so bei G. Chr. Martini: Redner- Schatz [1704], Bd. 1, S. 240). In der heutigen Umgangssprache wird die Redensart aber nur noch ironisch-witzig verstanden; sie spielt mit dem Doppelsinn des Wortes ausreißen = zerreißen und flüchten. Der Wortwitz ist derselbe wie in zahlreichen anderen sprichwörtlichen Vergleichen, z.B. ›Aufrichtig wie ein Kuhschwanz‹ – ›Einfälle haben wie ein altes Haus‹ – ›Klar wie Kloßbrühe‹ – ›Klar wie dicke Tinte‹ – ›Gerührt wie Apfelmus‹ – ›Es inwendig haben wie die Ziegen den Speck‹; reichhaltige Sammlung bei Fr. Seiler: Lehnsprichwort, 4 (1924).    Sich kein Bein dabei ausreißen Bein.
   Sich so stark fühlen, daß man Bäume ausreißen könnte Baum.
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