Adelung Wörterbuch
Pfuj!
ein Empfindungswort, seinen Abscheu, seinen Ekel, und kurz einen jeden heftigen Widerwillen gegen eine Sache an den Tag zu legen. Pfuj, schäme dich! Pfuj! das hätte ich dir nicht zugetrauet. Da es denn auch ein Hauptwort in der zweyten Endung neben sich leidet. Pfuj, der Schande! Pfuj, des garstigen Menschen! Pfuj dich an! ist nur in den niedrigen Sprecharten üblich, seinen höchsten mit Verachtung verbundenen Widerwillen gegen eine Person auszudrucken; Nieders. futikan. Als einen Ausdruck des Hohnes, der Verspottung, ist zwar in der vertraulichen Sprechart zuweilen fi üblich, allein pfuj wird im Hochdeutschen auf diese Art nicht gebraucht. Indessen heißt es noch Marc. 15, 29: pfuy dich, wie fein zerbrichst du den Tempel! Anm. Im Oberd. pfey, pfuch, bey dem Hornegk phwi, phech, affoy, im Nieders. fi, im gemeinen Leben der Hochdeutschen gleichfalls fi, im Schwed. fi und twi, im Dänischen fy, im Franz. fi, pouh, im Engl. faugh, paw, im Ital. puh, bey den Krainerischen Wenden fej, im Isländischen fuei, im Latein. phy, vah, im Griech. φευ. Es ist der natürliche Ausdruck des Ekels, des Widerwillens, der sich gleichsam von selbst durch ein Wegblasen äußert, daher dieser Laut auch in allen Sprachen angetroffen wird, und nicht für einen Abkömmling von dem Latein. phy ausgegeben werden sollte, wie gemeiniglich geschiehet. Die gewöhnlichste Schreibart dieses Wortes ist pfuy und pfui. Die erste hat nichts als die Gewohnheit für sich. Die zweyte könnte leicht zu einer zweysylbigen Aussprache verführen, da doch das i mit dem u zusammen schmilzt, welches am besten durch das j ausgedruckt werden kann.
 
1. Das Pfund
, des -es, plur. die -e, ein nur im Bergbaue übliches Wort, wo es ein gewisses Holz an dem Bläuel ist, worin der krumme Zapfen herum gehet. Die nähere Kenntniß dieses Stückes muß es ausweisen, ob es in dieser Bedeutung zu dem folgenden Worte gehöret, oder ob der Begriff der Bewegung, oder auch der Vertiefung der herrschende ist. Im letzten Falle würde es zu Pfanne, Wanne, Wanst, Banse u.s.f. im zweyten aber zu schwanken, Schwanz und andern Wörtern der Bewegung gehören. Übrigens bedeutet Punt im Nieders. auch eine Spitze, worin es mit dem Engl. und Franz. Point und dem Latein. Punctum überein kommt. S. auch Pfundholz.
 
2. Das Pfund
, des -es, plur. die -e, ein Schlag; ein nur noch in der Jägerey übliches Wort, wo diejenigen Streiche mit dem Weidemesser, mit welchen die Fehler wider die Weidesprache bestrafet werden, und deren gemeiniglich drey sind, Pfunde heißen. Die Pfunde bekommen. Jemanden die Pfunde geben. Das folgende Pfund wird so wie Malter und Schilling zwar zuweilen auch von einer gewissen Zahl, und folglich auch von einer bestimmten Anzahl Streiche gebraucht, S. das folgende; allein hier scheinet es doch ein eigenes dahin nicht gehöriges Wort zu seyn, welches zu dem noch im Schwed. üblichen bena, schlagen, gehöret, und wovon unser bamsen und wamsen Intensiva sind. Im Niedersächsischen ist Panter ein breites Werkzeug zum Schlagen, eine Handpatsche, womit ungezogene Kinder in den Schulen auf die flache Hand geschlagen werden.
 
3. Das Pfund
, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches ehedem die Schwere und ein schweres Ding überhaupt bedeutet haben mag, jetzt aber nur noch eigentlich von einem bestimmten Gewichte gebraucht wird, figürlich aber auch eine Art Münzen, eine Zahl und ein Maß bedeutet.
1. Ein Gewicht, eine bestimmte Schwere zu bezeichnen, wo es wiederum mehrere Arten von Pfunden gibt. 1) Die größte Art dieses Gewichtes ist das so genannte schwere Pfund, wonach die Frachten so wohl zu Wasser als zu Lande berechnet werden, daher es auch das Schiffpfund genannt wird. Es hält ungefähr drey Zentner, ist sich aber doch auch nicht an allen Orten gleich. In Zelle hat ein Pfund schwer, oder ein schweres Pfund 320, in Osnabrück und Hildesheim 300, an andern Orten aber nur 280 gewöhnliche Pfund, in der folgenden Bedeutung. S. Schiffpfund, welcher Nahme in den meisten Gegenden üblicher ist. 2) Das gewöhnliche Pfund oder Kramerpfund, welches im Handel und Wandel durch ganz Deutschland üblich ist, und allemahl unter dem Worte Pfund schlechthin verstanden wird, ist ein weit kleineres Gewicht, aus welchem alle größere Gewichte zusammen gesetzet sind. Es wird gemeiniglich in 16 Unzen oder 32 Loth getheilet, ist sich aber auch nicht an allen Orten in der Schwere gleich. Es bleibt so wie in der vorigen und allen folgenden Bedeutungen, wenn es ein Zahlwort vor sich hat, im Plural unverändert, welches es mit allen andern Wörtern, welche ein Gewicht, ein Maß, eine Zahl u.s.f. bedeuten, gemein hat. Zwey Pfund, nicht Pfunde. Die Sache wäget sechs Pfund. Myrrhen und Aloen bey hundert Pfunden, Joh. 19, 39; besser, bey hundert Pfund. Anderthalb Pfund, ein halbes Pfund, ein Viertel Pfund. Ein Pfund Brot, Fleisch u.s.f. Ein Pfund schwer, im Oberd. eines Pfundes schwer. Wie viel gehet davon auf ein Pfund? Von diesen Lichten gehen ihrer vier auf ein Pfund. Etwas nach dem Pfunde kaufen. Wenn kein Zahlwort vorher gehet, hat es seinen ordentlichen Plural. Bey oder nach Pfunden verkaufen. Rechte Pfunde sollen bey euch seyn, 3 Mos. 19, 36; d.i. Pfundgewichte, Gewichte, welche ein Pfund vorstellen. Alle Pfunde im Sack sind seine Werke, Sprichw. 16, 11. Wenn man ein Pfund als eine Kleinigkeit vorstellen will, so pflegt man es auch wohl ein Pfündchen zu nennen. 3) Das Apotheker-Pfund, oder Pfund nach Apotheker-Gewicht, welches in den Apotheken üblich ist, ist um 4 Unzen kleiner, und hält nur 12 Unzen oder 24 Loth. 4) Ehedem pflegte man auch eine Mark, d.i. ein halbes Pfund oder 8 Unzen, ein Pfund zu nennen, in welchem Verstande es besonders bey dem Golde und Silber üblich war, und an einigen Orten noch jetzt als gleichbedeutend mit Mark gebraucht wird.
2. Eine bestimmte Art gemünztes Gold oder Silber zu berechnen. 1) Eigentlich. Ehedem, da man die Münzsorten, besonders die kleinern, zu wägen pflegte, waren die Ausdrücke ein Pfund Schillinge, ein Pfund Pfennige, ein Pfund Häller sehr gangbar, so viel Schillinge, Pfennige und Häller zu bezeichnen, als auf ein Pfund, besonders in der letzten Bedeutung einer Mark, gingen. Die Zahl der Schillinge, Pfennige oder Häller, war nach ihrer Schwere veränderlich. Gemeiniglich rechnete man 20 Schillinge, jeden zu 12 Pfennige, folglich 240 Pfennige auf ein Pfund. Und in diesem Verstande ist das Wort Pfund noch in vielen Ländern eine Rechnungsmünze, welche doch sehr verschieden ist, je nachdem eine verschiedene Münzart dabey zum Grunde liegt, welches doch gemeiniglich Schillinge sind. Im Würtembergischen ist ein Pfund 20 Schillinge oder 120 Pfennige. Ein Pfund Flämisch hält in Hamburg 20 Schillinge Flämisch, oder 120 Schillinge Lübich, d.i. 2 1/2 Thaler. Ein Pfund schwarzer Münze, wonach in Baiern die Grundzinsen und gerichtlichen Strafen berechnet werden, hat 41 Schilling, 164 Groschen, 492 Regensburger, oder 1230 Pfennige schwarzer Münze, d.i. 56/7 Gulden weißer Münze. Hingegen hat ein Pfund Pfennige in eben dieser schwarzen Münze 8 Schilling, 32 Groschen, 96 Regensburger, 240 Pfennige, oder 11/7 Gulden weißer Münze. Die zu Berlin errichtete Bank rechnet nach Pfunden Banco, jedes zu 30 Groschen. Das größte Pfund dieser Art ist ein Englisches Pfund Sterling, welches gleichfalls nur eine Rechnungsmünze ist, 20 Englische Schillinge zu 71/3 bis 3/4 Groschen hält, und 6 Thaler 42/3 Groschen, bis 6 Thaler 8 Groschen nach unserm Gelde macht. Die Französischen Livres und Italiänischen Lire, welche man im Deutschen oft auch Pfunde zu übersetzen pflegt, gehören vermuthlich zur folgenden dritten Bedeutung. 2) Figürlich bedeutet es, nach dem Muster des Griechischen Talent, das einem jeden mitgetheilte bestimmte Maß natürlicher Fähigkeiten; doch nur in den aus Luc. 19, 23 entlehnten R.A. mit seinem Pfunde wuchern, sein Pfund gut anlegen, seine Gaben zu seinem und andrer Nutzen pflichtmäßig anwenden; sein Pfund in einem Schweißtuche vergraben, den pflichtmäßigen Gebrauch seiner Gaben vorsetzlich unterlassen. Unser Verstand ist ein kostbares Pfund, das uns der Allmächtige zum Wucher anvertrauet hat, Gell.
3. Da das Pfund in den beyden vorigen Bedeutungen allemahl eine bestimmte Anzahl Unzen und Münzsorten in sich begriff, so wurde dieses Wort ehedem auch sehr häufig gebraucht, eine gewisse bestimmte Anzahl zu bezeichnen. So ist im mittlern Lat. Libra annorum und Libra testium eine Zahl von 72 Jahren oder Zeugen, nach der Libra occidua, oder der spätern Libra auri, zu und nach Valentinians Zeiten, welche von diesem Kaiser auf 72 Solidos gesetzt wurde. Auch im Deutschen ist ein Pfund oft eine Zahl von 240, wo das ehemahlige Pfund Pfennige zum Grunde liegt, welches 240 Pfennige, oder 8 Schillinge, jeden zu 30 Pfennige, hatte. In einigen Österreichischen Chroniken kommen drey Pfund Menschen, und eilf Schilling Städte und Flecken vor, wo die drey Pfund 720 Seelen und die eilf Schillinge 330 Städte und Flecken machen. Noch jetzt ist in Nürnberg ein Pfund Krautköpfe oder Nüsse eine Zahl von 240 Stück. Zuweilen liegt die Zahl der acht in einem Pfunde begriffenen Schillinge zum Grunde, und alsdann ist ein Pfund eine Zahl von 8. So wird in den Schriften der vorigen Jahrhunderte zuweilen eines Pfundes Schläge oder Streiche gedacht, welches 8 Schläge sind, so wie ein Schilling über 12 hat, von den 12 Hällern, welche auf einen Schilling gingen. Vermuthlich gehören hierher auch die Französischen Livres und Italiänischen Lire, welches Rechnungsmünzen, obgleich von sehr verschiedenem Gehalte sind, indem das Französische Pfund 6 Groschen, das Italiänische aber oft nur 21/4 Groschen beträgt, wo es gleichfalls eine Zahl von 8 kleinern Münzen zu bezeichnen scheinet. Wenigstens machen 8 leichte Groschen oder Kaisergroschen gerade ein Französisches Pfund oder einen Livre. Die Venetianische Lira macht 12 Kreuzer Reichsgeld, dagegen die Toscanische Lira 20 Soldi hält. S. Malter und Schilling, welche gleichfalls von einer Zahl gebraucht werden.
4. Zuweilen, obgleich seltener, ist Pfund auch der Nahme eines körperlichen und Flächenmaßes; ohne Zweifel auch als eine Anspielung auf das Gewicht dieses Nahmens und die Zahl seiner Theile. So hält in Regensburg ein Pfund Salz 8 Schilling oder 240 Scheiben. Im Österreichischen werden die Weingärten nach Pfunden, so wie die Äcker nach Jochen und die Wiesen nach Tagewerken, berechnet, wo vielleicht der nach Pfunden in der zweyten Bedeutung geschätzte Werth zu verstehen ist, wenn anders hier nicht auch die dritte Bedeutung einer gewissen Zahl eines kleinern Flächenmaßes zum Grunde liegt.
Anm. Schon bey dem Kero Funt, bey dem Notker Phunt, im Nieders. Pund, im Engl. Pound, im Angels. und schon bey dem Ulphilas Pund, im Pohln. Fund, im Lat. Pondo, mit welchem es zu Pondus, das Gewicht, die Schwere, gehöret. Hornegk gebraucht Ponder und Poynder auch figürlich für Nachdruck, Gewalt.
 
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