Adelung Wörterbuch
Pfeifdrossel
, plur. die -n, eine Art Drosseln, welche größer ist, als die Sangdrossel, mit welcher sie gemeiniglich verwechselt wird; Turdus Iliacus Klein. Weißdrossel, Ziepdrossel, weil sie nicht singt, sondern nur den pfeifenden Laut, zip, zip, von sich gibt. Unter den Flügeln ist sie ein wenig roth und gelb, oder weiß, der obere Theil des Schnabels ist braunroth, der untere gelblich. Die Brust ist bunt und heller als bey der Sangdrossel, wie denn auch der Rücken nicht so braunroth ist.  
1. Die Pfeife
, plur. die -n, Diminut. das Pfeifchen. Oberd. Pfeiflein, ein noch im gemeinen Leben übliches Wort, die Fächser und Schößlinge an den Gewächsen zu bezeichnen. In dem Hopfenbaue sind die Hopfenfächser gleichfalls unter dem Nahmen der Pfeifen bekannt. Es ist nicht glaublich, daß das Wort in dieser ganzen Bedeutung eine Figur von Pfeife, fistula, seyn sollte, weil die Ähnlichkeit zu gesucht und zu gezwungen seyn würde. Es scheinet vielmehr, daß damit auf die sprossende, aufschießende und fortwuchernde Bewegung gesehen werde, welche auch durch die Nahmen Fächser, Schößling, Reis, Sprößling u.s.f. ausgedrucket wird, so daß Pfeife in dieser Bedeutung ein Geschlechtsverwandter von weifen, schweifen, schweben, Wipsel u.s.f. ist.
 
2. Die Pfeife
, plur. die -n, Diminut. das Pfeifchen, Oberd. Pfeiflein, ein noch in vielen Fällen des gemeinen Lebens übliches Wort, einen hohlen Raum, eine Röhre, und mit einer Röhre versehenes Ding zu bezeichnen. So werden die Zellen in den Wachsscheiben der Bienen häufig Pfeifen genannt. S. Honigzelle und Mutterpfeife. Die Dülle oder Röhre im Leuchter heißt im gemeinen Leben die Pfeife, Nieders. Pipe, und diesen Nahmen führen in Niedersachsen auch die Brunnenröhren und andere Röhren, durch welche Wasser geleitet wird. In den Marschländern sind die Gräben und Kanäle, durch welche das innerhalb eines Deiches oder Dammes eingedrungene Wasser abgeleitet wird, unter dem Nahmen der Pfeifen, Nieders. Pipen, bekannt. Die Röhrbeine oder großen Röhrknochen an den Menschen und Thieren heißen im gemeinen Leben häufig Pfeifen. Bey den Gärtnern ist die Pfeife die mit einem Auge versehene und in Gestalt eines breiten Ringes von einem Schößlinge abgestreifte Rinde, welche auf ein anderes seiner Rinde vorher beraubtes Reis gezogen wird. S. 1 Pfeifen. Die Pfeife der Weber ist ein kleines Röhrchen in dem Schützen oder der Spuhle, welches auf einem eisernen Drahte steckt. Am bekanntesten ist unter diesem Nahmen eine am Ende mit einem Kopfe versehene Röhre, wodurch man den Rauch des angezündeten Tobaks an sich ziehet; die Tobakspfeife oder nur Pfeife schlechthin. Eine thönerne, hörnerne Pfeife. Eine Pfeife Tobak rauchen, so vielen Tobak rauchen, als sich auf ein Mahl in den Kopf der Pfeife füllen lässet. Die Pfeife stopfen, anzünden, ausrauchen u.s.f. In der Bedeutung eines Fasses ist das Niederdeutsche Pipe üblicher, S. dasselbe. Es kann seyn, daß in einigen dieser Fälle auf die Ähnlichkeit mit der folgenden Pfeife gesehen worden. Aber im Ganzen scheinet dieses Wort eben so wenig eine Figur davon zu seyn, als das vorige, sondern überhaupt den Begriff des hohlen Raumes auszudrucken, da es denn ein naher Verwandter von dem Lat. Fovea seyn würde. S. 1 Pfeifer.
 
3. Die Pfeife
, plur. die -n, Diminut. das Pfeifchen, Oberd. Pfeiflein, eine hohle Röhre, welche vermittelst der eingeblasenen Luft einen hellen pfeifenden Ton von sich gibt. Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Pfeifen, Hiob 21, 12. Und haben Harfen, Psalter, Pauken, Pfeifen und Wein, Es. 5, 12. Der häufige Gebrauch, welchen der große Haufe von dieser Art Werkzeuge von je her gemacht hat, hat dasselbe zugleich verächtlich gemacht, daher man das Wort Pfeife von einem musikalischen Werkzeuge in anständigem Verstande nicht mehr gebraucht, indem dafür andere Nahmen, besonders aber Flöte üblich geworden sind. Über dieß sind die eigentlich pfeifenden Werkzeuge dieser Art in der heutigen Musik nicht mehr gebräuchlich. In dem einzigen Orgelpfeife hat es sich noch in der ehemahligen anständigen Bedeutung erhalten, wo es auch von den großen Röhren gebraucht wird, deren Ton man sonst eben nicht ein Pfeifen nennen würde. Die Sackpfeife, Halmpfeife, Rohrpfeife, Schnurrpfeife, Querpfeife u.s.f. Nach jemandes Pfeife tanzen, sich nach dessen Willen bequemen. Die Pfeife einziehen, in seiner Hitze, in seinem Eifer nachlassen. Pfeifen schneiden, weil man im Rohre sitzt, die Gelegenheit nutzen, indem sie da ist. Sprichw. Wer im Rohre sitzt, hat gut Pfeifen schneiden. Die Liebe ist schlauer als die Freundschaft, ihr süßes Pfeifchen schläfert wohl einen Argus ein, Weiße. Figürlich ist in der Tortur die Pfeife ein ausgeschnittener Knebel mit einem Luftloche, welcher dem Inquisiten an einigen Orten in das Maul gesteckt wird, das Schreyen zu verhindern.
Anm. Im Nieders. und Angels. Pipe, im Engl. Pipe, im Schwed. Pipa, im Ital. Piva, im Wallis. Pib. S. 2. Pfeifen, mit welchem es eine Nachahmung des pfeifenden Klanges selbst ist. Im Chaldäischen und Syrischen heißt eine Halmpfeife mit dem vorgesetzten a אבוב und אבובא.
 
1. Pfeifen
, verb. reg. act. welches nur bey den Gärtnern üblich ist, wo es eine Art des Oculirens ist, wenn die Rinde mit einem Auge in Gestalt eines Ringes oder eines Röhrchens von einem Reise abgezogen und auf ein anderes vorher seiner Rinde beraubtes Reis gesetzet wird. Im Oberdeutschen wird es auch röhrlen und teicheln genannt, von Röhre und Teiche, welches letztere so wie Pfeife gleichfalls eine Röhre bedeutet. S. 2. Pfeife.
 
2. Pfeifen
, verb. irreg. Imperf. ich pfiff, Partic. gepfiffen. Es ist in doppelter Gestalt üblich. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Denjenigen hellen Laut von sich geben, welchen dieses Zeitwort nachahmet und ausdrucket, wo es in allen den Fällen gebraucht wird, in welchen sich ein solcher Laut hören läßt. Der Wind pfeift, wenn er sich durch enge Öffnungen drängt. Die Kugeln pfeifen in der Luft. Der Kugeln Saat pfeift, da die Flamme heult, Kleist. Der Degen flog pfeifend in die Luft. Die ähnliche Stimme der kleinen Vögel und des jungen Federviehes druckt man gleichfalls durch pfeifen aus, Niedersächs. pipen, jipen, Lat. pipire, Griech. πιπιζειν, Ital. pipare. Der Laut der Fischotter ist gleichfalls ein Pfeifen, so wie die Stimme der Pfeifänte, der Pfeifdrossel und anderer Vögel. Figürlich heißt pfeifen mit feiner klarer Stimme reden, und in Niedersachsen pfeift man auch, wenn man sich mit schwacher feiner Stimme beklagt. 2) Diesen Laut hervor bringen. Mit dem Munde pfeifen, ohne ein anderes Werkzeug als den zugespitzten Mund dazu zu gebrauchen. Einem Hunde pfeifen, ihn auf solche Art zu sich rufen. Auf einem Blatte pfeifen. In engerer Bedeutung, solchen Laut vermittelst einer Pfeife hervor bringen. Wie kann man wissen, was gepfiffen oder geharset ist, 1 Cor. 14, 7. Das Volk pfiff mit Pfeifen, auf Pfeifen, 1 Kön. 1, 40. Wir haben euch gepfiffen und ihr wollt nicht tanzen, Matth. 11, 17. Sprichw. wer gern tanzet, dem ist bald gepfiffen. Da die ehemahligen Pfeifen aus der heutigen Musik verbannet und dafür Flöten und andere Werkzeuge von einem angenehmeren und männlichern Klange eingeführet worden, so wird dieses Wort auch nur noch von den im gemeinen Leben hin und wieder üblichen Pfeifen gebraucht. Auf dem letzten Loche pfeifen, in den letzten Zügen liegen, ist in der niedrigen Sprechart einheimisch. 2. Ein Activum, durch Pfeifen andeuten oder ausdrucken. Ein Lied, eine Melodie pfeifen.
So auch das Pfeifen.
Anm. Im Nieders. pipen, im Schwed. pipa, im Engl. to pipe. Es ist eine genaue Nachahmung des pfeifenden Lautes.
 
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