Conversations-Lexikon oder kurzgefaßtes Handwörterbuch
Würzburg
Würzburg, am Main, in einer sehr angenehmen Gegend gelegen, mit ungefehr 21,400 Einwohnern, zwar ziemlich groß, aber doch meistens mit krummen und winkligen Straßen. Zu den merkwürdigsten Gebäuden gehören das schöne neue Residenzschloß; die Domkirche zu St. Kilian (des Stifters und Schutzpatrons, welcher auch an dem Orte, wo diese Kirche steht, ermordet wurde); das treflich eingerichtete Juliushospital (eins der schönsten Institute dieser Art). Vielleicht läßt sich auch noch hieher die Stift-Haugs-Kirche (zu St. Johann im Haug) rechnen, weil sie ein Model der Peterskirche zu Rom ist, und vorher an Schönheit, wegen der treflichen Gefäße, Crucifixe etc. von gediegenem Silber, bedeutender sein mochte, als in der neueren Zeit, wo die bayerische Regierung das meiste davon hatte nach München schaffen lassen. Die Festung Marienberg, oder Frauenberg, gleich vor der Stadt gelegen, mit einer treflichen Aussicht, ist merkwürdig wegen der sogenannten Leiste (einer gewissen Seite des Bergs), wo der berühmte Leistenwein den Namen, aber wol sehr oft nicht seinen Ursprung her hat. Dieser ganz vorzügliche auf dieser Seite gebaute Wein, wird eigentlich blos nur an den Hof, und etwa ein kleiner Theil an das Julius-Hospital abgeliefert; daher denn auch mancher ehrliche einfache Würzburger, mit dem Namen Leistenwein gestempelt, dafür————
verkauft und getrunken wird. Nicht minder bekannt für den Weintrinker ist der Steinwein, welcher auf dem jenem gegenüber liegenden Steinberge wächst. – Würzburg zählt auch zu seinen bedeutenden Bildungsanstalten vorzüglich die Universität, welche schon im Jahr 1591 gestiftet, aber in der neueren Zeit 1803 wieder neu gegründet wurde, und eine ganz neue, von der gewöhnlichen Form abweichende Einrichtung erhielt. Auch wurde am 1. Jan. 1804 hier für die Lutheraner und Reformirten zugleich eine protestantische Kirche errichtet.
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Würzburg, ehedem eins der größten und reichsten Bisthümer des heil. Römischen Reichs, welches schon unter den Fränkischen Königen seinen Anfang nahm und für dessen ersten Bischof der heilige Kilian ausgegeben wird, der hier zu Ende des 7. Jahrhunderts den christlichen Glauben predigte, und auch als Patron des Stifts von jeher verehrt wurde: wiewol Andere den heil. Burkhard als ersten Bischof angeben. Merkwürdig war es, daß der Bischof von Würzburg, der zugleich unmittelbarer Stand des Reichs war, in geistlichen Sachen unter dem Erzbischof von Mainz, und zwar deswegen stand, weil der erste Bischof zu Mainz, Bonifacius, den ersten Bischof nach Würzburg gesetzt hatte; ingleichen, daß er sich einen Herzog von Franken schrieb; nicht minder, daß er bei öffentlichen Feierlichkeiten durch seinen Marschall ein bloßes Schwerd vortragen ließ. – Dieses Bisthum oder Hochstift Würzburg, welches bereits durch den Lüneviller Frieden mit den übrigen geistlichen Besitzungen der Secularisation unterworfen worden, kam nun als Fürstenthum durch den Reichsdeputations- Receß von 1803 an Bayern; durch den 1805 aber abgeschlossenen Presburger Frieden, und zwar nach dem 11. §. an den Churfürst von Salzburg, Ferdinand, Bruder Kaisers Franz II., welcher mit Beibehaltung seiner Churwürde nun 1806 davon Besitz nahm;
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aber unterm 30. Sept. dieses Jahres den Titel: Großherzog sich beilegte, als solcher dem Rheinbunde beitrat und nun auch im Jan. 1807 den Besitz der Eigenthums- und Souverainitätsrechte über die ihm zuerkannten Besitzungen: als die des Johanniterordens in dem Umfange des Großherzogthums Würzburg, ferner über die Besitzungen des Grafen von Ortenburg, die Freiherrschaften von Tann und Woyhers etc. und überhaupt alle inclavirten ritterschaftlichen Güter ergreifen ließ.
  So sitzt nun der Großherzog beim Rheinbund im Collegium der Könige; jedoch bleiben ihm die Rechte als Glied der kaiserl. östreich. Familie vorbehalten. Er präsidirt in dem Staatsrathe, welcher das höchste Colleginm in seinem Lande ausmacht; die Landesdirection besteht aus 2 Sectionen: der Regierung und der Rentkammer. Die Einkünfte betragen mit den Stiftern 2,800,000 Gulden. – Das Großherzogthum Würzburg, so wie es jetzt, gegen Norden an die Königreiche Sachsen, Westphalen, und Herzogth. Coburg, gegen Osten und Süden an Bayern und gegen Westen an das Fürstl. Primatische grenzt, hat einen Umfang von 70 Quadratmeilen und 240,000 Einwohner; mit Inbegrif aber der Besitzungen des Johann. Ordens etc., über welche es die Oberhoheit hat, 77½ Quadratmeilen mit 256,300 Einwohnern. Ein äußerst fruchtbarer Boden und ein mildes, angenehmes Clima ma-
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chen es besonders zu einem segensreichen Weinlande, das die Frankenweine am vorzüglichsten liefert, und besonders wegen des Stein- und Leisten-Weines, welche bei Würzburg, jener am Stein-, dieser am Frauenberge erzeugt werden (s. d. zunächst folgenden Art.) rühmlich bekannt ist. Auch Getreide, Hanf, Obst; Eisen, Steinkohlen; Mineralwasser etc. gute Vieh- (namentlich Rindvieh-) zucht u. s. f. gehören zu den vorzüglichen Producten dieses Landes, das auch besonders noch bedeutende Garnspinnereien und Leinwebereien (an der Rhön) hat und den Handel vorzüglich mit Ausfuhr der Weine, des Obstes etc. treibt. – Die Haupt- und Residenzstadt des Großherzogthums ist
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Ansicht: Würzburg