Conversations-Lexikon oder kurzgefaßtes Handwörterbuch
Apelles
Apelles, einer der berühmtesten Griechischen Mahler, eben so sehr berühmt und verdient um die Kunst durch seine meisterhaften Werke, als durch seine Schriften über diesen Gegenstand, welche letztern zur Zeit des Plinius noch vorhanden waren. Er war der Mahler der Grazie, und übertraf in dieser Rücksicht fast alle seine Zeitgenossen. Dabei war er nichts weniger als ungerecht gegen die Verdienste anderer Mahler, nichts weniger als blind gegen seine eigenen Fehler. Wenn er ein Gemählde fertig hatte, setzte er es aus und verbarg sich hinter einen Vorhang, um ungesehen die Urtheile darüber anzuhören. Merkwürdig ist die Art, wie er des Protogones, eines berühmten Mahlers zu Rhodus, Bekanntschaft machte. Apelles reiste ausdrücklich nach Rhodus, um ihn kennen zu lernen. Als er in sein Haus trat, fand er niemand als eine alte Frau und ein aufgespanntes noch leeres Tuch auf der Staffelei. Die Alte fragte ihn nach seinem Namen; »ich will ihn hinsetzen,« sagte er, und entwarf mit dem Pinsel einen überaus feinen Umriß. »Das hat Apelles gemacht!« rufte Protogones sogleich aus, als er zurück kehrte und von dem Fremden hörte. Er nahm hierauf eine andere Farbe, und setzte auf die nehmliche Zeichnung einen noch correctern und feinern Umriß. Bald darauf erscheint Apelles wieder. Man zeigt ihm die Arbeit, als etwas von dem Manne————
den er suche. Beschämt, sich übertroffen zu sehn, greift er nach der dritten Farbe, hebt die ersten Züge durch einige neue, und erschöpft die ganze Feinheit der Kunst. »Ich bin überwunden,« sagte Protogones, als er nach Hause kam; »ich eile meinen Nebenbuhler zu umarmen!« Beide Künstler wurden einig, dieses Stück für die Nachwelt aufzubewahren, allein es verbrannte in der ersten Feuersbrunst im Pallast des Augustus zu Asche. Apelles war ein Zeitgenosse Alexanders, den er mehrere Mahle mahlte, vorzüglich aber einmahl so vortrefflich, daß Alexander selbst sagte, er zähle zwei Alexander; der eine sei der Sohn des Philippus und unüberwindlich, der zweite ein Werk des Apelles und unnachahmlich.
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* Apelles, aus der Insel Cios gebürtig, bewährte sein hohes Künstlertalent bei sehr vielen Gelegenheiten. An dem Hofe des Ptolomäus wurde er, auf einer Seereise durch einen Sturm nach Alexandrien verschlagen, von einem Unbekannten (den aber seine Feinde angestellt hatten) im Namen des Königs zur Tafel geladen, ohne daß dieser das geringste davon wußte. Der König, als er ihn erblickte, fragte zornig, was er wolle und wer ihn eingeladen habe? Apelles nahm betroffen eine Kohle und zeichnete damit das Gesicht dessen, der ihn eingeladen hatte, so treffend an die Wand, daß ihn der König sogleich erkannte. – Von ihm ist auch die Anekdote bekannt, daß, als er einst bei einer seiner Ausstellungen, wo er sich zu verstecken pflegte, um die Urtheile der Vorübergehenden zu vernehmen, einen Schuster tadeln hörte, er den Fehler zwar sogleich verbesserte, aber als derselbe den folgenden Tag noch mehr zu tadeln begann, trat er hervor und rief ihm zu: Schuster, bleib bei deinem Leisten!
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