Duden - Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 10 Bänden
Hals
1Hạls, der; -es, Hälse [1, 2: mhd., ahd. hals, eigtl. = Dreher (des Kopfes); 4: nach den im Hals (2) entstehenden Lauten]: 1. (beim Menschen u. bestimmten Wirbeltieren) Körperteil, der Rumpf u. Kopf miteinander verbindet u. bes. die Bewegung des Kopfes ermöglicht: ein schlanker, kurzer, gedrungener, ungewaschener H.; sie reckten die Hälse, um etwas sehen zu können; sich den H. brechen; einem Tier den H. umdrehen (es töten); bis an den H./bis zum H. im Wasser stehen; Wenn der losgeht, dann möchte ich dem am liebsten gleich an den H. springen (ihn würgen; Schmidt, Strichjungengespräche 83); eine Amsel saß mit eingezogenem H. in den unteren Ästen (Strittmatter, Wundertäter 248); jmdm. um den H. fallen (ihn in einem plötzlichen, heftigen Gefühl von Zuneigung, Freude od. Kummer umarmen); R da steh ich nun mit meinem gewaschenen H. (ugs.; nun war alle Mühe umsonst u. ich bin der Dumme, der Blamierte; nach dem Witz, in dem ein kleiner Junge sich darüber ärgert, dass er sich umsonst den Hals gewaschen hat, weil der angesagte Besuch nicht gekommen ist); *H. über Kopf (ugs.; überstürzt, sehr eilig u. ohne vorherige Planung; urspr. „über H. und Kopf“, „über H., über Kopf“ mit der Vorstellung des Sichüberschlagens): sie haben H. über Kopf das Land verlassen; sie hat sich H. über Kopf in ihn verliebt; einen [dicken] H. haben (ugs.; wütend sein): ich hab' es nicht gemacht, um die Geheimdienste zu entlarven, sondern nur, weil es eine Unverschämtheit war und ich einen dicken H. hatte (Spiegel 17, 1981, 55); seinen H. riskieren (↑"Kopf" 1); sich nach jmdm., etw. den H. verrenken (ugs.; erwartungsvoll od. neugierig nach jmdm., etw. Ausschau halten): ... fuhr sie ihn in einer Lautstärke an, dass es die Schrammelmusik übertönte und die Gäste sich die Hälse nach ihr verrenkten (Kühn, Zeit 292); einen langen H. machen (ugs.; sich recken, um [über andere hinweg] etw. sehen zu können); jmdm. den H. abschneiden/umdrehen/brechen (ugs.; jmdn. [wirtschaftlich] zugrunde richten, ruinieren): mit solchen Werbemethoden schneidet man den kleinen Geschäftsleuten den H. ab; jmdn./jmdm. den H. kosten, jmdm. den H. brechen (ugs.; jmds. Verderben sein, jmdn. ruinieren; urspr. bez. auf das Gehängtwerden): Würde ihm der Leichtsinn oder die Ängstlichkeit den H. brechen? (Kronauer, Bogenschütze 145); sich die Schwindsucht, die Pest o. Ä. an den H. ärgern (ugs.; sich über längere Zeit so sehr über jmdn., etw. ärgern, dass man schließlich dadurch krank wird); jmdn., etw. am/auf dem H. haben (ugs.; mit jmdm., etw. belastet sein; viel Mühe od. Ärger mit jmdm., etw. haben): sie hat immer ziemlich viel am H.; er hatte Verfahren wegen unberechtigter Führung akademischer Titel am H. (Spiegel 49, 1966, 44); hoffentlich kommt er nicht auf die Idee, sich allein davonzuschleichen. Dann hab' ich sie auf dem H. (Kronauer, Bogenschütze 301); sich jmdm. an den H. werfen (ugs.; sich jmdm. aufdrängen): So hat Paul zugesehen, wie sich Paula dem Schauspieler an den H. warf, obwohl der seine Frau bei sich hatte (Plenzdorf, Legende 27); jmdm. jmdn. auf den H. schicken/hetzen (ugs.; jmdn., der unerwünscht ist, zu jmdm. schicken): Wenn du die Lehre hinschmeißt, hetzt er uns bestimmt die Polizei auf den H. (Ziegler, Kein Recht 343); sich jmdn., etw. auf den H. laden (ugs.; sich mit jmdm., etw. belasten u. dadurch viel Arbeit u. Verantwortung auf sich nehmen); bis zum/über den H. (ugs.; völlig, total): ich stecke bis über den H. in Arbeit, in Schulden; sich um den/um seinen H. reden (ugs.; sich durch unvorsichtige Äußerungen um seine Position, seine Existenz bringen); jmdm. mit etw. vom Hals[e] bleiben (ugs.; jmdn. mit etw. nicht belästigen); sich jmdn., etw. vom Hals[e] halten (ugs.; sich mit jmdm., auf etw. nicht einlassen); sich jmdn., etw. vom Hals[e] schaffen (ugs.; sich von jmdm., etw. befreien; jmdn., der, etw., was einem lästig ist, abschütteln): Lea war nach einer Lüge zumute, ... die ihr Barbaras Fragen vom H. schaffen würde (Ossowski, Liebe ist 161). 2. der Rachenraum mit Kehlkopf, Luft- u. Speiseröhre als Sitz der Atem- u. Stimmwege; Schlund, Kehle: ein rauer, entzündeter, trockener H.; mein H. tut weh; das Bier rann ihm eiskalt den H. hinunter; die ungeheuren Menschenmassen, die sich im Zirkus, in den Stadien und auf den Tribünen ... vor Begeisterung die Hälse wund schrien (Ransmayr, Welt 45); jmdm. den H. zudrücken (ugs.; jmdn. erwürgen); aus dem H. riechen; Ich lauschte, bis mir das Herz im H. schlug (Schnurre, Bart 9); eine Gräte war ihm im H. stecken geblieben; er hat es im H. (ugs.; hat Halsschmerzen); Ü sein Geld durch den H. jagen (viel trinken); Wozu ich der immer mein teures Geld in den H. stecke (sie immer aushalte), gleich morgen schmeiße ich sie raus (Fallada, Mann 80); *den H. nicht voll [genug] kriegen [können] (ugs.; nie genug bekommen [können]): eine Tournee de force, als könnte dieser Künstler den H. nicht voll kriegen (Spiegel 31, 1987, 146); aus vollem Hals[e] (sehr laut): sie lachten aus vollem H.; etw. in den falschen H. bekommen (ugs.; etwas gründlich missverstehen [u. deshalb übel nehmen]; geht von der Vorstellung aus, dass etwas in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gerät u. dabei einen heftigen Hustenreiz hervorruft): Du und dein Humor! Den kriegen die anderen noch in den falschen H. (Heim, Traumschiff 38); etw. hängt/wächst jmdm. zum Hals[e] heraus (ugs.; jmd. ist einer Sache überdrüssig; geht von der Tatsache aus, dass Tieren, die sich überfressen haben, das letzte Stück zum Halse heraushängen kann): dein ewiges Gejammere hängt mir zum H. heraus; Vermutlich hat er diese Frage schon hundertmal gehört, und vermutlich hängt sie ihm ... längst zum H. heraus (Hörzu 23, 1979, 18). 3. a) der [sich verjüngende] obere Teil einer Flasche od. Ampulle: eine Weißweinflasche mit langem H.; b) langer, schmaler Teil zwischen Körper u. Wirbeln des Saiteninstrumentes, auf dem das Griffbrett liegt u. über den die Saiten gespannt sind: der H. einer Geige, Gitarre, Laute; c) (Med.) sich verjüngender Teil eines Knochens od. Hohlorgans, der meist das Verbindungsstück zu einem anderen Teil od. Organ bildet: der H. des Oberschenkelknochens, der Gebärmutter; d) (Archit.) (bei der griechischen Säule) Teil des Säulenschaftes unmittelbar unter dem Kapitell: der H. einer Säule. 4. (Jägerspr.) das Bellen eines Jagdhundes: der Hund gibt H.; der Hund riss Helmold den Riemen aus der Hand und hetzte mit hellem -e weiter (Löns, Gesicht 146).————————
2Hạls, der; -es, -en [a: 1"Hals" (3) als Bez. für den sich verjüngenden Teil eines Gegenstandes] (Seemannsspr.): a) untere, vordere Ecke eines Segels; b) Tau, mit dem die untere Ecke eines Segels nach vorn gezogen wird.
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Ansicht: Hals