Duden - Redewendungen
Haar
Haare auf den Zähnen haben (ugs.): bissig [und bösartig] sein; schroff [und rechthaberisch] sein: Du wirst bei der neuen Laborantin nichts erreichen, die hat Haare auf den Zähnen. Sie weiß sich schon zu helfen, das ist eine Resche mit Haaren auf den Zähnen (Zwerenz, Quadriga 94).-Die Wendung geht wohl von der Vorstellung aus, daß starke Behaarung ein Zeichen großer Männlichkeit, der Kraft und der Couragiertheit sei. Wenn man einem Menschen Haare sogar dort zuschreibt, wo sie normalerweise nicht wachsen, z. B. auf den Zähnen oder - wie man früher auch sagte - auf der Zunge, so möchte man ihn als besonders stark und couragiert hinstellen. Die Wendung wurde dann auf die bissige, schroffe Art einer Frau bezogen.
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Haare lassen [müssen] (ugs.): nicht ohne Schaden, Nachteile davonkommen: Der Europameister hat in den 15 Runden Haare lassen müssen. Doch Haare lassen mußte vor allem die SPD, denn das nun ausgehandelte Gesetzeswerk geht zu Lasten der Gewerkschaften (Spiegel 50, 1975, 25).
-Gemeint sind die Haare, die einem bei einer Schlägerei ausgerissen werden; vgl. die Bedeutungen »ausrupfen, (Haare) ausreißen« und »handgemein werden, sich prügeln«, des Verbs »raufen«.
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an einem Haar hängen: sehr gefährdet sein: Der Wahlsieg der Kongreßpartei hing an einem Haar. Es hing nur an einem Haar, und sie wäre im Fluß versunken (Kuby, Sieg 230).
-Vgl. die Wendungen »an einem seidenen Faden hängen« ( Faden) und »das Schwert des Damokles hängt über jmdm.« ( Damokles).
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aufs/auf ein Haar: ganz genau: Für den Laien stimmen Original und Imitation aufs Haar überein. In Hans Castorps Fall glich der erste Oktobertag auf ein Haar dem letzten Septembertage (Th. Mann, Zauberberg 315).
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das kannst du dir, kann er sich usw. in die Haare schmieren (ugs.): das kannst du, kann er usw. behalten, darauf lege ich überhaupt keinen Wert: Sag ihm, er kann sich sein Geld in die Haare schmieren, wir sind nicht käuflich! Du kannst dir deine selbstgemachten Kräutertees in die Haare schmieren, ich will jetzt einen richtigen Arzt!
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ein Haar in der Suppe/in etwas finden (ugs.): etwas an einer Sache auszusetzen, zu kritisieren haben: Wenn man will, findet man immer ein Haar in der Suppe. Überhaupt kam man aus dem Versteckenspielen mit gewesenen Dingen nie mehr heraus, wenn ein Mann schon in solchen offenbaren Kindereien wie der Hünengrabgeschichte ein Haar fand (H. Mann, Unrat 113).
-Der Wendung liegt eine ganz konkrete Situation zugrunde: Findet man ein Haar im Essen, so ist das eine unliebsame Entdeckung und ein Grund herumzumäkeln.
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etwas an/bei den Haaren herbeiziehen (ugs.): etwas anführen, was nicht oder nur entfernt zur Sache gehört: Dieser Vergleich ist doch an den Haaren herbeigezogen. Hanna war schwarz, Sabeth blond ... ich fand es an den Haaren herbeigezogen, die beiden zu vergleichen (Frisch, Homo 111).
-Gemeint ist, daß etwas gewaltsam herangezogen wird, so wie man einen Menschen gegen seinen Willen brutal an den Haaren irgendwohin schleift.
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jmdm. die Haare/Ohren vom Kopf fressen (ugs.): auf jmds. Kosten leben und ihn arm machen: Wir haben vier große Kinder, die fressen uns die Haare vom Kopf. Du kannst jetzt auch mal arbeiten. Du hast mir lange genug die Haare vom Kopf gefressen.
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jmdm. kein Haar/niemandem ein Haar krümmen [können]: jmdm. nichts/niemandem etwas zuleide tun [können]: Die Flugzeugentführer hatten niemandem ein Haar gekrümmt. Blues ist Berufsjäger, ... der ... reiche Deutsche und Amerikaner begleitet und aufpaßt, daß ihnen beim Löwen- und Elefantenschießen kein Haar gekrümmt wird (Grzimek, Serengeti 235).
-Vgl. die Wendung »Haare lassen müssen«.
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jmdm. stehen die Haare zu Berge; jmdm. sträuben sich die Haare (ugs.): jmd. ist erschrocken, entsetzt: Den Menschen am Ufer standen die Haare zu Berge, als der Hai den Schwimmer angriff. Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich höre, was die Politiker manchmal für einen Unsinn verzapfen. Im Bauch der »Schönen Anna« wurden Entdeckungen gemacht, die den Zimmerleuten die Haare zu Berge stehen ließen (Brecht, Groschen 44).
-Die Wendung bezieht sich darauf, daß man bei einem Schock oder in hochgradiger Erregung das Gefühl hat, die Haare würden sich (wie bei manchen Tieren) aufrichten; vgl. die Bildung »haarsträubend«.
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kein gutes Haar an jmdm., an etwas lassen: jmdn., etwas schlechtmachen, völlig verreißen: Der Kritiker hat an der Aufführung kein gutes Haar gelassen. Er nannte den Funkmeister einen heimtückischen Arschkriecher und ließ an den Feldwebeln überhaupt kein gutes Haar (Kuby, Sieg 381).
-Die Wendung meint eigentlich, daß man an einem Menschen nichts Gutes, noch nicht einmal ein Haar läßt; vgl. die Wendung »keinen guten Faden an jmdm. lassen« ( Faden).
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krauses Haar, krauser Sinn: wer krauses Haar hat, ist sehr eigenwillig, hat ein etwas verworrenes, störrisches Wesen: Unsere Tochter geht nun doch nicht zur Tanzstunde. Na, krauses Haar, krauser Sinn.
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lange Haare, kurzer Verstand: bissige Bemerkung einem Menschen gegenüber, der seine Haare lang trägt und der etwas Törichtes sagt oder tut: Was kannst du von diesen Hippies anderes erwarten? Lange Haare, kurzer Verstand!
-Diese Redensart bezog sich zunächst nur auf Frauen. Damit unterstellten Männer, daß Frauen nicht so gut denken können wie sie.
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nicht [um] ein Haar; [um] kein Haar: um nichts; überhaupt nicht: Er ist nicht um ein Haar von seinen Forderungen abgegangen. Denn Silvi wurde auch zu dieser Stunde noch um kein Haar besser als wie immer behandelt (Walser, Gehülfe 139).
-Vgl. die vorangehende Wendung.
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sich die Haare raufen: völlig verzweifelt sein: Sie werden sich die Haare raufen, wenn sie bemerken, welchen Fehler sie gemacht haben.
-Vgl. die Wendung »Haare lassen müssen«.
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sich in den Haaren liegen (ugs.): Streit miteinander haben: Die Sekretärin des Chefs und die Sachbearbeiterin liegen sich schon seit langem in den Haaren. Aber sobald es heißt, daß wir germanisieren, sind die Slowenen sofort mit den Italienern verbündet, wenn sie sich sonst auch noch so wild in den Haaren liegen! (Musil, Mann 841).
-Vgl. die Wendung »sich in die Haare geraten/kriegen«.
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sich in die Haare geraten/kriegen (ugs.): in Streit geraten: Ich habe mich mit ihm wegen der Erstattung der Kosten in die Haare gekriegt. Doch über die Änderungswünsche kriegten sich die Parteien bald in die Haare (Hörzu 14, 1971, 22).
-Die Wendung bezieht sich darauf, daß sich bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung die Gegner oft in die Haare greifen und an den Haaren reißen; vgl. die Wendung »Haare lassen [müssen]«.
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sich keine grauen Haare wachsen lassen (ugs.): sich keine unnützen Sorgen machen: Er dachte gar nicht daran, sich wegen der verlorenen Papiere graue Haare wachsen zu lassen. ... bei ihr käme der Appetit beim Essen, ich sollte mir deswegen keine grauen Haare wachsen lassen (Brigitte 5, 1974, 76).
-Die Wendung beruht auf der Beobachtung, daß Menschen, die viel durchmachen, über Nacht oder vorzeitig ergrauen.
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um ein Haar: fast, beinahe: Um ein Haar wäre der alte Mann überfahren worden. Um ein Haar hättet ihr das Ereignis des Tages verschlafen! (Cotton, Silver-Jet 54).
-Die Wendung schließt sich an »Haar« im übertragenen Sinne von »Winziges, Winzigkeit« an; vgl. »um Haaresbreite«.
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mit Haut und Haaren.
jmdm. wächst das Knie durch die Haare.
jmdm. wächst der Kopf durch die Haare.
mehr Schulden als Haare auf dem Kopf haben.
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