Meyers Großes Taschenlexikon in 25 Bänden
Jamaika
Jamaika Fläche: 10 990 km2
Einwohner: (1995) 2,447 Mio.
Hauptstadt: Kingston
Verwaltungsgliederung: 14 Bezirke
Amtssprache: Englisch
Nationalfeiertag: erster Montag im August
Währung: 1 Jamaika-Dollar (J$) = 100 Cents (c)
Zeitzone: MEZ — 6 Std.
(amtlich engl. Jamaica), Staat im Karib. Meer, umfasst außer der Hauptinsel Jamaika, die drittgrößte Insel der Großen Antillen, einige kleine vorgelagerte Inseln.
Staat und Recht: Nach der Verf. von 1962 ist J. eine parlamentar. Monarchie im Commonwealth. Staatsoberhaupt ist der brit. Monarch, vertreten durch den Generalgouverneur. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament, bestehend aus Senat (21 ernannte Mitgl.) und Repräsentantenhaus (60 Abg., für fünf Jahre gewählt). Oberstes Exekutivorgan ist die Reg. unter Vorsitz des Premiermin. Wichtigste Parteien sind die Nat. Volkspartei (PNP) und die Arbeiterpartei (JLP).
Landesnatur: Abgesehen von teilweise versumpften Küstenebenen bestehen etwa zwei Drittel der Insel aus bis zu 900 m hohen Kalksteinplateaus, die stark verkarstet sind. In Karsthohlformen konnte sich Bauxit bilden. Im O liegen in den Blue Mountains die höchsten Erhebungen des Landes (Blue Mountain Peak mit 2 292 m ü. M.). Das Klima ist tropisch mit hohen Niederschlägen (im Jahresmittel 800-3 000 mm), bes. an der N-Küste; es treten häufig Wirbelstürme auf. Abgesehen von den mit Regen-, Berg- und Nebelwald bedeckten Blue Mountains wurde die ursprüngl. Vegetation weitgehend vernichtet. An den Küsten bestimmen Mangroven und Kokospalmen das Bild.
Bevölkerung: Die Bev. besteht aus Schwarzen (rd. 75 %), Mulatten (rd. 13 %) sowie Indern, Europäern und Chinesen. Landflucht, Arbeitslosigkeit und Übervölkerung führten zu starker Auswanderung (in den letzten Jahren v. a. nach Nordamerika). - Allg. Schulpflicht besteht vom vom 7. bis 15. Lebensjahr, der Unterricht ist unentgeltlich; es gibt eine Univ. in Kingston. - Die Mehrheit der Ew. gehört den über 100 christl. Religionsgemeinschaften an. Wachsende Bedeutung kommt der politisch-religiösen Bewegung der Rastafarians zu.
Wirtschaft, Verkehr: Fremdenverkehr, Bauxitabbau und Landwirtschaft bilden die Grundlage der Wirtschaft. J. ist nach Australien und Guinea drittgrößter Bauxitexporteur der Erde. Die 1942 entdeckten Vorkommen (Reserven rd. 1 Mrd. t) werden seit 1952 durch multinat. Unternehmen im Tagebau abgebaut, das Bauxit wird zu Tonerde verarbeitet. In der Landwirtschaft arbeiten etwa 13 % der Beschäftigten. Ihr Anteil am Bruttoinlandprodukt liegt bei rd. 8 %. Hauptnahrungsmittel sind Jams, Bataten, Reis und Gemüse, doch müssen weitere Nahrungsmittel eingeführt werden. Für den Export werden in wenigen Großplantagen Zuckerrohr, Bananen, Kakao und Zitrusfrüchte angebaut. Die Zucker- und Melasseherstellung dominiert in der Nahrungsmittelindustrie. Im Raum Kingston und in Montego Bay bestehen freie Produktionszonen, hier siedelten sich ein Stahlwerk, eine Erdölraffinerie sowie Textil-, Düngemittel- und Kunststoffind. an. Wichtigster Devisenbringer ist der Fremdenverkehr. 1988 wurden durch einen Hurrikan sowohl die tourist. Infrastruktur als auch die Landwirtschaft beeinträchtigt. - Ausgeführt werden v. a. Bauxit und Tonerde (65 %), Zucker, Bananen, Rum und Gewürze. Die wichtigsten Handelspartner sind die USA, die EU-Länder und Kanada. - Das Eisenbahnnetz ist 339 km lang, 130 km sind Privatbahnen für den Bauxitabbau. Es besteht ein Straßennetz von rd. 16 500 km Länge. Neben den Importhäfen Kingston, Port Royal und Montego Bay gibt es mehrere Exporthäfen. J. verfügt über je einen internat. Flughafen bei Kingston und bei Montego Bay.
Geschichte: J. wurde 1494 von Kolumbus entdeckt. Die eingeborenen Indianer gingen unter der span. Herrschaft zugrunde. Die Insel wurde später von wenigen reichen Familien, die afrikan. Sklaven einführten, aufgekauft, aber 1655 von den Engländern erobert. Gegen Ende des 17. Jh. war J. einer der größten Umschlagplätze des Sklavenhandels. Die Ausbeutung der Schwarzen änderte sich auch nach der Aufhebung der Sklaverei um 1836 nicht wesentlich. Nach einem Aufstand 1865 wurde J. 1866 Kronkolonie, ab 1944 mit innerer Selbstverw., 1958-61 war es Mitgl. der Westind. Föderation. Nach einem Referendum erhielt J. 1962 die volle Unabhängigkeit. 1972-80 verfolgte die Reg. unter M. Manley (PNP) einen sozialist. Kurs mit Anlehnung an Kuba. Die folgende Regierung unter E. Seaga (JLP, 1980-89) orientierte sich an der Marktwirtschaft. Als Manley 1989 erneut gewählt wurde, setzte er diesen Kurs fort, obwohl die hohe Inflationsrate zu Unruhen führte. Er trat im März 1992 zurück; die vorzeitigen Neuwahlen gewann die PNP unter P. J. Patterson, der in den Parlamentswahlen 1997 bestätigt wurde.
Literatur:
Stone, C.: Democracy and clientelism in Jamaica. New Brunswick, N. J., 1980.
Stephens, E. H.: Democratic socialism in Jamaica. Princeton, N. J., 1986.
Boyd, D.: Economic management, income distribution and poverty in Jamaica. New York 1988.
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