Meyers Großes Taschenlexikon in 25 Bänden
Fastnacht
Fastnacht[zu ahd. fasta »Fasten(zeit)« und naht »Vorabend«], urspr. der Abend vor der Fastenzeit, seit dem 15./16. Jh. v. a. die letzten drei Tage, auch die vorhergehende Woche, seit dem 19. Jh. meist die vom Dreikönigstag bis Aschermittwoch dauernde Zeit des Frohsinns, verbunden mit Tanzveranstaltungen, Maskeraden u. a. Vergnügungen, mit Höhepunkt und Ende am F.-Dienstag. Es entwickelte sich ein vielgestaltiges Brauchtum in fast allen dt. Ländern, was auch die Fülle der landschaftl. Bezeichnungen bezeugt; so begeht das Rheinland den Karneval, Mainz und Umgebung Fastnacht, das Elsass, Baden, die dt.sprachige Schweiz und Vorarlberg die Fasnet, Franken die Fosnat, Bayern und Österreich den Fasching. Prägend für die heutige Form der F.-Feier wurde 1820/30 der oberdt. Raum. - Grundlegendes Motiv der versch. F.-Bräuche dürften die bevorstehenden, zur Enthaltsamkeit mahnenden Fasten- und Bußwochen sein. Die F.-Bräuche des MA. sind bes. gut in den Städten fassbar und hier wesentlich von Erscheinungsformen des öffentl. Festwesens geprägt. Bis ins 14. Jh. dominieren zur F. Reiterspiele der Patrizier, dann entwickelt sich ein vielgestaltiges Maskenbrauchtum (z. B. Schembartlaufen in Nürnberg). Den vielfach groben und exzessiven Brauchhandlungen des Spät-MA. folgen im 16. Jh. neue Schau- und Vorführbräuche der Handwerker. In der Barockzeit blühte die F. als prunkvolles Kostümfest an den Fürstenhöfen und beeinflusste mit ihren motiv. Ausformungen die bürgerl. F. der Städte bis ins 19. Jh. Wichtige Einflüsse auf die künstler. Ausgestaltung kamen seit etwa 1700 aus Italien. - Öffentl. Feiern mit Tanz, Spiel, Umzügen, Heischebräuchen und mannigfachen Formen der Verkleidung charakterisieren die F. als Zeit, in der die gewohnte Ordnung außer Kraft gesetzt ist und im Gewand des Narren verspottet wird, z. B. Etablierung einer »Gegenreg.« (Elferrat; zuerst 1829 in Aachen gebildet), Übergabe des Rathausschlüssels an die Narren u .a. Vielfach wurde in der Gesch. die »Ventilfunktion« der F. bedeutsam, etwa im satirisch gewendeten Widerstand gegen kirchl. Institutionen seit dem 15. Jh. oder gegen die frz. Besatzung im Rheinland Anfang des 19. Jh., wovon sich v. a. in Rosenmontagsumzügen (zuerst 1823 in Köln durchgeführt) zeitkrit. Elemente erhalten haben.
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