Meyers Großes Taschenlexikon in 25 Bänden
Dekonstruktivismus
Dekonstruktivismus, 1) allg. und Wissenschaftstheorie: eine im Anschluss an die um wiss. Objektivität bemühten Theorien des Strukturalismus und in Auseinandersetzung mit ihnen entstandene überdisziplinäre Wissenschaftsströmung. Der D. beruht auf dem Verfahren der Dekonstruktion, das darin besteht, ein zu kritisierendes Denksystem zunächst probeweise zu übernehmen, um dann in dessen Nachvollzug seine eigenen inneren Unstimmigkeiten und Brüche aufzuzeigen.
2) Architektur: seit Mitte der 1980er-Jahre Bez. für eine Richtung, in deren Entwürfen das Verhältnis von Tragen und Lasten sowie traditionelle stat. Verhältnisse aufgelöst werden. Der unvermittelte Zusammenstoß unterschiedl. Materialien, Räume und Richtungen wirkt im Sinne konventioneller Sehgewohnheiten unharmonisch. Die dekonstruktivist. Architektur greift formal auf den russ. Suprematismus (K. Malewitsch) und die Ideen des Konstruktivismus (Zaha Hadid; P. Eisenman) zurück und bezieht sich in ihrem theoret. Ansatz (B. Tschumi) auf J. Derrida (Beispiele: Vitra Design Museum, Weil a. Rhein, 1988-89, von Frank O. Gehry; Jüd. Museum, Berlin, 1992-1999, von D. Libeskind).
Literatur:
P. Johnson Dekonstruktivist. Architektur, hg. v. u. M. Wigley. A. d. Engl. Stuttgart 1988.
D. Eine Anthologie, hg. v. A. Papadakis. A. d. Engl. Stuttgart 1989.
Wigley, M.: Architektur u. Dekonstruktion. Derridas Phantom. A. d. Amerikan. Basel u. a. 1994.
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