Wörterbuch der deutschen Umgangssprache
Penne
Penne f \
1. Obdachlosenheim; Nachtquartier; Schlafstelle; Unterkunft für Gesindel. Geht vielleicht zurück auf hebr »pinnah = Winkel, Ecke«; der Obdachlose sucht eine Ecke zum Übernachten. 1750 ff, rotw .
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2. Gymnasium. Verkürzt im späten 19. Jh. aus » Pennal«. Das Wort hatte bisher nur die Bedeutung »Gymnasium«; seit 1965 ist jede Schule eine »Penne«, zusammenhängend mit den verschiedenen Schulreformen, die die Beseitigung der bisherigen Schranken anstreben.
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3. Bett. pennen. Aus » Penne 1« sonderentwickelt im Sinne eines primitiven Schlaflagers. 1914 ff.
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4. langweiliger, schwungloser Mensch ohne besondere Interessen. Sein Geist schläft. Vgl Pennbruder 3. 1890 ff.
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5. verkommene Frau; Hure. Bei (mit) ihr kann jeder schlafen. 1960 ff.
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6. Penne für alle = Hauptschule. Penne 2. 1965 ff.
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7. Allgemeine Penne = Grund-, Hauptschule. 1965 ff.
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8. kalte Penne = a) Übernachtung im Freien. Penne 1. 1850 ff. – b) Nachtlager im Freien (Biwak,
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Manöverzelt o.ä.). Sold 1910-1945.
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9. kesse Penne = gute, sichere Unterkunft (wo man von der Polizei nicht behelligt wird). keß. Seit dem frühen 19. Jh.
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10. miese Penne = minderwertige, anrüchige Unterkunft. Kundenspr. 1870 ff.
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11. platte Penne = Nachtquartier bei vertrauten Leuten. Man schläft zwar auf dem Fußboden, ist aber sicher vor einer Polizeistreife. Rotw 1910 ff.
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12. stille Penne = Gefängnis. Geht zurück auf zigeun »љtilepen = Gefängnis«; kundenspr. seit dem frühen 19. Jh.
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13. wilde Penne = a) Unterkunft für Gesindel (nicht zu verwechseln mit dem Obdachlosenheim o. ä.). Seit dem frühen 20. Jh. – b) Quartier, das der Soldat sich selber gesucht hat. Wild = unerlaubt; außerhalb der Ordnung. 1914 ff.
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14. eine Penne abschleppen = eine Umhertreiberin ins Zimmer mitnehmen. Penne 5. 1960 ff.
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15. platte Penne machen = im Freien nächtigen. Man liegt flach auf dem Erdboden. Rotw 1800 ff.
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