Duden ‒ Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
Wand
Wạnd, die; -, Wände [mittelhochdeutsch, althochdeutsch want, zu 1"winden", also eigentlich = das Gewundene, Geflochtene (Wände wurden ursprünglich geflochten)]:1. a) im Allgemeinen senkrecht aufgeführter Bauteil als seitliche Begrenzung eines Raumes, Gebäudes o. Ä.:
eine dünne, massive, gemauerte, [nicht] tragende, gekachelte, unverputzte, gekalkte Wand;
die Wände sind sehr hellhörig;
sie war, wurde weiß wie die Wand, wie eine Wand (sehr bleich);
eine Wand hochziehen, aufmauern, einziehen, tapezieren, isolieren;
eine Wand einreißen;
er starrte die Wand an;
du nimmst ja die ganze Wand mit (umgangssprachlich; du beschmutzt dich, indem du die Wand streifst, mit der Kalkfarbe der Wand);
[mit jemandem] Wand an Wand (unmittelbar nebeneinander) wohnen;
etwas an die Wand werfen;
etwas, sich an die Wand lehnen;
Bilder an die Wand hängen;
gegen die Wand schlagen, rennen;
einen Nagel in die Wand schlagen;
ein Zimmer mit schrägen Wänden;
der Schläfer drehte sich zur Wand (zur Wandseite);
Der (= Vater) schoss … gegen das Zelt, dessen elastisch federnde Wand ihn wie einen Fußball zurückschleuderte (Schnurre, Bart 72);
Die Wand gegenüber nahm ein großer … Bücherschrank ein (Roehler, Würde 84);
Die Straße … führte … an den weinumrankten Wänden der kleinen Häuser vorbei (Seidel, Sterne 60);
eine große Sache, wie sie an der himmelhohen Wand (Bordwand) der »Europa« entlangschaukelten (Hausmann, Abel 173);
Ü Seit jener Nacht weiß ich, wie gebrechlich die Wand in uns ist, die uns von dem Chaos trennt (Fallada, Herr 250);
»Sind Sie der Herr Professor?« fragte ich zitternd gegen die Wand seines mächtigen Körpers (Jahnn, Geschichten 200);
R da wackelt die Wand! (umgangssprachlich; da geht es hoch her, da wird tüchtig gefeiert); die Wände haben Ohren (hier gibt es Lauscher); wenn die Wände reden könnten! (in diesem Haus, dieser Wohnung haben sich sicherlich wechselvolle Schicksale o. Ä. abgespielt); scheiß die Wand an! (derb; Ausdruck der Enttäuschung, der Verärgerung);
spanische Wand (Wandschirm; Herkunft ungeklärt);
die [eigenen] vier Wände (umgangssprachlich; jemandes Wohnung oder Haus, jemandes Zuhause, in das er sich zurückziehen kann: So blieb er ein Fremder in seinen eigenen vier Wänden [Spiegel 34, 1976, 101]);
… dass die Wände wackeln (umgangssprachlich; 2"Heide" [1]: Heute Abend wird … gebumst, dass die Wände wackeln! [Ziegler, Labyrinth 209]);
das/es ist, um die Wände/an den Wänden hochzugehen; da kann man die Wände/an den Wänden hochgehen! (umgangssprachlich; das ist doch unglaublich, empörend!);
jemanden an die Wand drücken (umgangssprachlich; einen Konkurrenten o. Ä. rücksichtslos beiseite-, in den Hintergrund drängen: als nicht konzerngestützter Verleger müsse er »alle Möglichkeiten wahrnehmen«, um nicht »an die Wand gedrückt zu werden« [Spiegel 19, 1977, 174]; den drückte er auch als Redner glatt an die Wand [Bredel, Väter 89]);
jemanden an die Wand spielen (1. jemanden durch größeres Können [besonders als Schauspieler, Sportler] überflügeln: Jane Fonda in der Titelrolle spielt besonders die Männer an die Wand [Hörzu 46, 1983, 67]. 2. jemanden durch geschickte Manöver ausschalten);
jemanden an die Wand stellen (jemanden [standrechtlich] erschießen; standrechtliche Erschießungen wurden gewöhnlich vor einer Wand oder Mauer vorgenommen: die Deserteure wurden an die Wand gestellt);
etwas an/gegen/vor die Wand fahren (umgangssprachlich; etwas zugrunde richten, das Scheitern von etwas verursachen: »Wenn man 50 Millionen Abfindung bekommt, weil man eine Firma an die Wand gefahren hat, dann wird die Argumentation schwierig.« [MM 3. 12. 2007, 5]);
gegen eine Wand reden (vergebens etwas zu erreichen suchen, jemanden von etwas zu überzeugen suchen: Der August merkte es meistens nicht, dass er gegen eine Wand redete [Kühn, Zeit 149]);
b) frei stehend aufgerichtete wandähnliche Platte o. Ä.:
eine Wand zum Ankleben von Plakaten;
zwischen den beiden benachbarten Terrassen steht als Sichtschutz eine mannshohe Wand aus Kunststoff;
er sah sich einer Wand von Schweigen, Misstrauen gegenüber.
2. a) Seiten- bzw. rückwärtiges Teil von Schränken o. Ä.:
die seitliche, hintere Wand des Schranks, der Kiste, des Schubfachs;
b) [innerer] umschließender Teil eines Hohlkörpers, Hohlorgans o. Ä.:
die Wand des Magens, des Darms, der Herzkammer;
die Wände der Venen, Gefäße;
die Wand des Rohrs ist drei Millimeter stark;
die Kalkablagerungen an den Wänden der Rohre.
3. a) (besonders Bergsteigen) nur kletternd zu überwindende, steil aufragende Felswand (besonders im Gebirge):
eine zerklüftete, fast senkrechte Wand;
eine Wand bezwingen, erklettern;
in eine Wand einsteigen, gehen;
in der Wand hängen;
Unmittelbar vor seinem Blick bauen sich die Wände des Wilden Kaisers auf (Trenker, Helden 88);
b) (Bergbau) [größeres] abgetrenntes Gesteinsstück;
c) Kurzform von ↑ "Wolkenwand", ↑ "Gewitterwand":
das Flugzeug fliegt in eine Wand;
Eine schwarze Wand steigt über den baumlosen Bergkamm auf der Lausanner Seite des Sees (Strauß, Niemand 190).
4. (Tennis) Kurzform von ↑ "Tenniswand".
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Ansicht: Wand