Herbert Vorgrimler. Neues Theologisches Wörterbuch
Trichotomismus
   (griech. = die Lehre von der Dreiteilung), eine geistesgeschichtlich öfter auftauchende Auffassung, daß drei Wirklichkeiten zusammen das substantielle Wesen des Menschen bildeten, die real von einander unterschieden seien: Leib, Seele u. Geist. Was in dieser Lehre als ”Geist“ bezeichnet wird, das ist der Sache (wenn auch nicht immer der ausdrücklichen Lehre nach) der Geschichte enthoben, von der leibhaftigen Wirklichkeit des Menschen getrennt u. so auch vom Heilsgeschehen in der leibhaftigen Geschichte ”abgehoben“. Der ”Geist“ wird als Widersacher der Seele u. als unversöhnbarer Widerspruch zum Leib u. zur Geschichte verstanden. Die im theol. T. angeführten Schrifttexte beweisen seine Richtigkeit nicht, denn ”Geist“ meint in der Schrift entweder den geistig-personalen Aspekt der Seele oder das göttliche Pneuma, das keinen substantiellenWesensbestandteil desMenschen darstellt, sondern Gottes Gnade ist (Heiliger Geist ). Theologiegeschichtlich ist zu registrieren, daß in den leidvollen Streitigkeiten um den Patriarchen Photios von Konstantinopel († um 898) diesem u. a. der T. vorgeworfen wurde. Das auf Betreiben des Kaisers einberufene 4. Konzil von Konstantinopel (869–870), das als 8. ökumenisches Konzil gezählt wird, verurteilte Photios auch wegen seines T. Indes ist nicht nachgewiesen, daß Photios einen T. im Sinn der Verurteilung vertreten hatte.
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