Herbert Vorgrimler. Neues Theologisches Wörterbuch
Chalkedon
   kleinasiatische Stadt am Bosporus, in der vom 8. 10. bis 1. 11. 451 das 4. ökumenische Konzil stattfand (aus dem kirchlichen Westen nahmen nur 4 päpstliche Legaten u. 2 nordafrikanische Bischöfe teil). Vom Kaiser einberufen u. straff gelenkt, sollte es durch einen Bekenntnistext verschiedene Streitigkeiten autoritativ beenden. Das vom Konzil formulierte christologische Dogma besagt: Jesus Christus , der Mensch gewordene Logos Gottes, ist eine Person in zwei Naturen, die in dieser einen Person unvermischt, unverwandelt, ungetrennt u. ungeschieden vereint sind (DS 301 ff.; NR 178; Hypostatische Union ). Darin ist weitgehend die Einungschristologie Kyrills von Alexandrien († 444) übernommen, die in damaliger Zeit die eine biblisch bezeugte Person Jesu Christi in ihrer Herkunft von Gott am besten wiederzugeben schien, gegen den sog. Nestorianismus (in Jesus Christus seien zwei Personen miteinander verbunden) u. gegen den strikten Monophysitismus (in Jesus Christus seien die zwei Naturen zu einer einzigen vermischt worden). Die typische Kompromißformel umgeht das Problem, das mit der einen geschichtlichen Person in zwei ungeschichtlichen Naturen gegeben ist. Papst Leo I. bestätigte das Konzil ohne dessen can. 28, der Konstantinopel den Vorrang vor Antiochien u. Alexandrien zuerkannte u. so an Roms Position annäherte. Chaos (griech. = gestaltloser Zustand), bezeichnet religionswissenschaftlich u. philosophiegeschichtlich entweder einen Urstoff, aus dem der Kosmos geformt wurde, oder einen durch Unordnung charakterisierten Machtbereich, der den geordneten Kosmos bedroht u. der z.T. personifiziert oder als Chaosmächte divinisiert wird.Mit dem Rückgriff auf das Chaosdenken illustrieren religiöse Texte die Macht der das Ch. überwindenden Gottheit (so auch das AT ); zugleich können sie mit der Gefährdung der Schöpfung durch das Ch. physische Übel u. Katastrophen erklären. Allerdings wird JHWH in Jes 45, 7; Spr 8, 23 f. als Schöpfer des Ch. bezeichnet. – In der neueren Naturwissenschaft befaßt sich die Ch.-Theorie mit dem Phänomen, daß die Dynamik von Systemen für kleine Abweichungen anfällig ist, aus denen große Störungen hervorgehen können, theol. interessant im Kontext der Frage nach Determinismus u. Zufall .
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