Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
verderben
nur westgermanisch bezeugter Stamm (altengl. deorfan ›arbeiten, in Gefahr sein, umkommen‹), urverwandt litauisch dìrbti, dárbas ›arbeiten‹, ›Arbeit‹; es gibt ursprünglich (mhd. ) zwei Verben, ein starkes intransitives und ein schwaches transitives, das letztere bis ins 18. Jahrhundert erhalten, dann haben die starken Formen die transitiven Funktion mit übernommen. Die Bedeutung ›sterben‹ (↑ "sterben") ist wohl die älteste (mhd. ; L059 DWb), neuhochdeutsch fast nur noch formelhaft in Anlehnung an die Bibelsprache: vnd ligst vnter den Erschlagenen Jsrael / vnd must sterben vnd verderben (A180 Martin Luther, Judith 6,3); heute1zugrunde gehen‹, im allgemeinen Sinn ›dauerhaft beschädigt werdenverdorbenes Fleisch usw.; transitiv v. a. den Spaß, das Spiel verderben, dazu "Spielverderber" (↑ "Spiel"); schwach transitiv (↑ 1"löschen") im 18. Jahrhundert noch häufig: daß du der schönen Lais nicht einen Spaß verderbt hast(Wieland), das verderbte ihm Schlaf und Mahlzeit (Seume);
2 moralisch verdorbenverkommen‹, jmdn. moralisch verderbenjmdn. moralisch zugrunde richten‹; schwach transitiv noch im 18. Jahrhundert der Zorn verderbt die Besten (Schiller); das manchen Jüngling verderbt hat (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Hermann und Dorothea 4,129); jetzt nur noch das Partizip verderbt adjektivisch in moralischem Sinn üblich: mein Herz ist so verderbt nicht (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Werther 19,54,20), auch im Sprachgebrauch der Philologen verderbte Stellen in handschriftlichen Quellen usw.
Verderben"S093" Neutr. , mhd. , ebenso die Ableitungen Verderbnis Fem. (früher auch Neutr. ), meist in moralischem Sinn, wie
Verderb Mask. , früher auch Neutr. (Lessing).
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