Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
überfahren
(ahd. ubarfaran)1 als feste Zusammensetzung mit Akkusativ
1.1über etwas hinfahren‹. Zunächst noch mit der allgemeinen Bedeutung von ↑ "fahren": daß er den Bund des Herrn überfahren [›übertreten‹] hat (A180 Martin Luther, Josua 7,15); ein Brett mit Leimwasser überfahrenüberstreichen‹ (L004 Johann Christoph Adelung); die mit Eitlem überschriebne Tafel überfahr' ich mit dem Schwamme (Rückert). Jetzt zu fahrenim engeren Sinn; einen Fluß, ein Meer überfahren nur altertümelnd; allgemein üblich ist nur einen Menschen, ein Tier überfahren (L004 Johann Christoph Adelung); danach neuerdings auch umgangssprachlich übertragen ›überrumpeln, nicht zur Gegenäußerung kommen lassen‹. In ganz anderem Sinn (vgl. ↑ "überlaufen") erscheint überfahren vereinzelt bei A075 Johann Wolfgang von Goethe: fanden wir die Stadt… von allerlei Fuhrwerk überfahrenüberfüllt‹ (Campagne in Frankreich 23.8.92);
1.2über etwas hinausfahrener will die Säulen des Herkules überfahren (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Farbenlehre 52,262);
1.3über jmdn. fahren, jmdn. überfallen‹, ein leiser Schauer überfuhr mich(Storm). Dazu Überfahrung landschaftlich ›Schlaganfall‹, der Hofschulze hat eine Überfahrung (Immermann);
2 als unfeste Zusammensetzung (mhd. ): wir sind übergefahren, der Fährmann hat uns übergefahren. Zuweilen früher wie überfahren(1.1), vgl. ich habe immer noch mehr Angst ausgestanden, Leute überzufahren, als übergefahren zu werden (Moltke). Zu überfahren(2)
Überfahrt (ahd. ).
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