Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
schmiegen
mhd. smiegen, altgermanisch (altnord. smjuga), ursprünglich starkes, jetzt schwaches Verb, verwandt mit ⇑ "schmücken", "schmuggeln";1 gewöhnlich reflexiv, im eigentlichen Sinn immer mit Richtungsbezeichnung sich an, um etwas, seltener in die Ecke, in die Arme jmds. schmiegen, sich zu jemandes Füßen schmiegen (Wieland), sich unter etwas schmiegen(Voß), sich durch eine Wand schmiegen (Wieland); A075 Johann Wolfgang von Goethe wagt mit bloßem Dativ und sieht der Schwäne Fürsten ihrem Knie sich schmiegen (Faust II,6916), Uhland ohne derartige Bestimmung ein Mägdlein, das sich im Bade schmiegt; häufig von fließenden Stoffen ›sich anpassen‹: in welcher weise sich der frauen gewand um den zarten leib schmiegt (Scheffel; L059 DWb); im Partizip Prät. häufig in der Verbindung eng aneinandergeschmiegt (vgl. L320 Trübner); übertragen bis ins 19. Jahrhundert ›sich fügen, keinen Widerstand leisten‹: sich dem Willen, in, unter etwas schmiegen; auch welche sich zu seinem Willen schmieget(Wieland), sie hatte sich nach allen seinen Launen geschmiegt(Schiller); formelhaft sich schmiegen und biegen;
2 mittelhochdeutsch selten auch transitiv, erhalten in die Arme dicht um ihre Knie geschmiegt (Wieland), Vrenchen schmiegte seinen Leib an ihn(G.Keller);
3 selten intransitiv, nur der substantivische Infinitiv wie sonst zu Reflexiven üblich: dieses Schmiegen und Biegen (Goethe).
schmiegsam (1684 schmugsam): in dem schmiegsamen Westchen (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Brief vom 12.5.11); eine schmiegsame Gestalt (vgl. Heyse; L059 DWb); übertragen von der wechselnden Gesinnung: die nur politisch heucheln / und stellen schmugsam sich (Simplizissimus; L059 DWb), dazu
Schmiegsamkeit L033 Joachim Heinrich Campe 1810;
Schmiege Fem. , mhd. smiuge (↑ "Grasmücke") ›Biegung‹; ›schiefer Winkel‹, ›bewegliches, zusammenklappbares Winkelmaß‹; nur noch fachsprachlich.
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