Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
schenken
ahd. skenken, westgermanisch;1Getränk eingießen‹ (eigentlich ›schief halten‹, vgl. altnord. skekkja): Wein ins Glas, das Glas voll schencken(L169 Matthias Kramer); seit dem Spätmittelhochdeutschen ⇓ "S025" verallgemeinert
2jmdm. etwas umsonst und ihm/ ihr zur Freude zum Eigentum geben‹: vnd schenckten jm Gold / Weyrauch vnd Myrrhen (A180 Martin Luther, Matthäus 2,11), etwas geschenckt bekommen (L169 Matthias Kramer), sprichwörtlich von nicht ganz fehlerfreien oder willkommenen Geschenken einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul (J. L.L078 Johann Leonhard Frisch), variiert bereits im 15. Jahrhundert (vgl. L059 DWb); übertragen in festeren Verbindungen
⊚⊚ Eim das laben Schencken »alle schuld.. verzeyhen« (L200 Josua Maaler), einem Kind das Leben schenken (vgl. L059 DWb) ›gebären‹, reflexiv sich jmdm. schenkenwidmen‹, speziell ›hingeben‹ und jmdm. sein Herz schencken (L169 Matthias Kramer), zum 19. Jahrhundert hin abgeblaßt ›gewähren‹: Wir schenken Einem unsre Theilnahme, Freundschaft, Gewogenheit, Gunst… einige Augenblicke (Gehör)… Glauben(L264 Daniel Sanders); jmdm. nichts schenken (L059 DWb) ›jmdn. sehr fordern‹, sich nichts schenken lassen (A222 Friedrich Schiller, Fiesko 1,9) auch ›ehrgeizig sein‹, dagegen sich (Dat. ) etwas schenkenauf etwas verzichten‹, häufig ratend das kannst du dir schenken, abstrakter ›erlassen‹: Die straaff Schencken vn nachlassen (L200 Josua Maaler), ich will dirs nicht schenken (L308 Kaspar Stieler), häufig im Partizip Prät. Das Laufen sei dir diesmal geschenkt (A222 Friedrich Schiller, Fiesko 2,9), umgangssprachlich verkürzt geschenkt!auch ›erledigt‹; im Partizip Prät. ablehnend zum Ausdruck von Verachtung etwas nicht geschenkt haben/ nehmen wollen (vgl. L059 DWb); umgangssprachlich das ist (fast, halb) geschenkt von einer preiswerten Ware. Dazu ⇑ "Schank", "Geschenk".
Schenk ahd. scenko, schwaches Mask. (Goethe noch Schenke); zu schenken(1), zunächst ›Diener, der für die Getränke zu sorgen hat‹, im Mittelalter einer der vier obersten Hofbeamten, daher in Titeln von Adelsgeschlechtern Schenk von Stauffenberg usw., im 19. Jahrhundert durch Goethe, Das Schenkenbuch (Divan IX), ⇓ "S148" wiederbelebt: Giebst du einen Kuß dem Schenken(L092 GoeWb; Ch.L042 Christa Dill); heute selten ›Schenkwirt‹, häufiger in Zusammensetzungen: Bierschenk, Mundschenk, Weinschenk;
Schenke Fem. , mhd. schenk(e); ursprünglich und bis ins 17. Jahrhundert ›Geschenk‹, auch ›Festessen (zu dem Geschenke mitgebracht wurden)‹; daneben zunächst obersächsisch/ thüringisch in heutiger Bedeutung ›einfaches Wirtshaus‹, bayrisch ›Ausschank in Brauereien und Wirtshäusern‹ im Sinne von ›Straßenverkauf‹ (Gassenschenke).
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