Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
Netz
ahd. nezzi, mhd. netze, gemeingermanisch (engl. net), verwandt mit ↑ "Nessel" und "Nestel" (↑ "nesteln"). 1"S100" Von alters her im Sinne von ›aus Bändern, Seilen u.dgl. geknüpftes Gitterwerk‹ als Werkzeug zum Fang von Fischen, Vögeln und Wild verwendet; danach frühzeitig bildlicher Gebrauch in vielen Redensarten, vor allem vom Netz der Spinne hergeleitet: sein Netz über jmdn. werfen, jmdn. in sein Netz ziehen, in seinem eigenen Netz gefangen werden (↑ "berücken").Weiterhin werden Netze noch zu vielen anderen Zwecken verwendet, zum Tragen von Gegenständen (Einkaufsnetz), als schützender Überzug (auch zum Schmuck: Haarnetz für Frauen »zum Putz«, L033 Joachim Heinrich Campe), beim ⇓ "S205" Ballspiel: ich… pflastre sie [die Kugel, den Ball] mit Schmackes ins Netz (R.A290 Ror Wolf, Punkt 162);
2 metonymisch aufgrund der Ähnlichkeit der Gestalt vielfach übertragen: Netz von Straßen, Eisenbahnen, Leitungen, Filialen (L059 DWb1889); ferner auch ›natürliches Gewebe im menschlichen und tierischen Körper‹: Netz um die Eingeweide, Netz im Auge, dazu Netzhaut (s. unten);
3 in der Elektrizität seit frühem 20. Jahrhundert gebraucht (Stromnetz [L242 Richard Pekrun 1933, s. v. Netz], Telefonnetz, ans Netz gehen, Netzgerät), ist Netz neuerdings, beeinflußt von engl. net, in der ⇓ "S043" EDV reich entfaltet: ›Verknüpfung mehrerer Computer zwecks Datenaustauschs‹; dazu seit 1969 (L010 AWb) schon älteres, wohl aus engl. network"S024" entlehntes
Netzwerk (1949; L010 AWb). ⇓ "S043" In den frühen achtziger Jahren wird Netzzunächst als ⇓ "S058" Endwort für Datennetz gebraucht (W.Heine, Die Hacker. Von der Lust, in fremden Netzen zu wildern. 1985), seit etwa 1990 (L299 Sprachdienst 1997, 7ff.) erscheint Netz als verdeutschendes Endwort zu
Internet (1983, im Titel eines Aufsatzes: J.Wegner: Hacker… Wie sicher sind Daten im Internet?, in: Bild der Wissenschaft 98, 1983, Heft 3, 83ff.), ⇓ "S043" das selbst ⇓ "S198" Silbenwort aus International Network ist: ›weltweit computergestütztes Kommunikationssystem‹, nach engl. internettingvernetzen‹; dazu lautlich angelehnt ironisch internett: Also ich fänds ausgesprochen internett, wenn Du Dich irgendwann auch mal wieder mit mir vernetzen würdest (L299 Sprachdienst 1996, 7);
Netzhaut (1721; L345 Friedrich Karl Ludwig Weigand/ L345 Herman Hirt); ⇓ "S122" Lehnbildung nach mittellat. retina: Die Augen und die Wüste fanden zueinander, die Wüste legte sich über die Netzhaut (A004 Ingeborg Bachmann, Fall Franza 425);
vernetzen zunächst in der Chemie ›Moleküle zu einem Netz verknüpfen‹ (L097 GWb 1983); dann auch in anderen Wissenschaftsdisziplinen, z. B. der Lexikographie: Die alphabetisch sortierten Wörter im Wörterbuch sind… zu vernetzen aufgrund ihrer lexikalischen, grammatischen, wortbildnerischen und textuellen Struktur (H.Henne, in: H.E.Wiegand, Theorie und Praxis des lexikographischen Prozesses bei historischen Wörterbüchern, 1987, 195); in der ⇓ "S043" EDV (Mannheimer Morgen 27.3.1986, 13) zumeist im Partizip:
vernetzt; bezogen auf das Internet (1989; L099 3GWb) ›durch Modem o. a. Zugang zum Internet haben‹ (↑ "Modem"); substantivisch
Vernetzung: Dazugehörig sein in der Fläche der Vernetzung ist an die Stelle der zerschnittenen Wurzeln getreten(B.A254 Botho Strauß, Paare 26).
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