Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
mangeln
1"Mangel"2 ahd. mangalon, ›entbehren, fehlen‹, Diminutiv zu mhd. mangen
1 nach der älteren Konstruktion steht der Gegenstand, dem etwas fehlt, als Subjekt wer gern in Wollust lebt, wird mangeln (Luther), den mangelnden Untertanen (Haller); mit Genitiv der Beziehung: sie mangeln des Ruhmes (Luther), daß ich selbst des Trostes bald auf immer mangeln würde (Goethe); dafür selten Verbindung mit an: der am Brot mangele (Luther); häufiger der Akkusativ, noch südwestdeutsch: ohne den Schlafkameraden zu mangeln (J.P.Hebel).
2 Jünger die jetzt geltende Konstruktion, daß das Fehlende als Subjekt gesetzt wird: ein Gott mangelte mir (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Stella 1,3), so häufig im Partizip Präsens: mangelnde Menschenkenntnis, Bereitschaft, Aufmerksamkeit.
3 Ebenfalls jünger unpersönlich es mangelt an, bis Luther auch mit Genitiv: dem des Brotes mangelt (Luther); häufig negiert es soll an meinem Fleiße nicht mangeln(L305 Christoph Ernst Steinbach); vgl. ↑ "ermangeln" sowie die Konstruktion von "fehlen" und "gebrechen".
Mangel2 Mask. , mhd. mangel, < mangeln, zunächst
1Fehlen, Entbehren einer Sache‹; mit Genitiv vom Mangel der Früchte des Akkers (Luther), wo ich eurer Mangel hatte (›euch entbehrte‹) (Luther); häufig präpositional mit Genitiv (aus Mangel der Werkzeuge Schiller) oder (und jetzt nur noch) mit an: Es ist ein großer Mangel an rechtsgelehrten Leuten (L308 Kaspar Stieler); rechtssprachlich formelhaft wegen Mangels an Beweisen, Zeugen, daher zur Präposition mangels (19. Jahrhundert; vgl. L059 DWb), mit Genitiv: mangels besonderer umstände (ebenda), mit Dativ Plural: Mangels Beweisen (L337 WdG); dazu Geldmangel, Zeitmangel (L308 Kaspar Stieler), Lehrermangel, Wohnungsmangel; für sich stehend ›Fehlen des zum Leben NotwendigenMangel leiden (L308 Kaspar Stieler); weiter entwickelt zu
2Gebrechen, Unvollkommenheit‹, Plural Mängel (L308 Kaspar Stieler): daß die Krankheit dieses Leidenden nicht auf… Mängeln seiner Natur beruhe (Hesse; L337 WdG), ↑ "bemängeln".
mangelhaft (mhd. ) zunächst
1 nach Mangel(1): mangelhaft an Worten (L308 Kaspar Stieler), dann
2unvollkommen‹: die flecken der mangelhaften menschen(Schiller; L059 DWb), die rechtspfleg… die mangelhaft… scheint (Klopstock; L059 DWb), als »schlechte Note auf dem Zeugnis« (L320 Trübner) der Fünf entsprechend.
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