Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
leisten
ahd. / mhd. leisten, verwandt mit dem substantivischen ↑ "Leisten", im Urgermanischen mit der Bedeutung ›jmds. / der Spur nachgehen‹ (vgl. got. laistjan ›folgen‹ zu laists ›(Fuß-)Spur‹). Zunächst im Sinne von ›etwas ausführen, wozu man durch fremden oder eigenen Willen verpflichtet ist‹. Doch wird es auch oft gebraucht, wo eine solche Verpflichtung nicht vorliegt, ⇓ "S073" z. B. jmdm. einen Dienst, eine Gefälligkeit, Beistand, Gesellschaft leisten; Bürgschaft, Gewähr, Verzicht leisten. Oft steht leisten im Gegensatz zu dem bloßen Versprechen oder Versuchen. Es tritt auch unter Umständen die Vorstellung des Könnens in den Vordergrund, z. B. sie leistet viel in der Musik, in der Politik (vgl. das ist eine bedeutende Leistung; leistungsfähig). Umgangssprachlich – zunächst ironisch – in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts weiter übertragen (wohl ursprünglich studentensprachlich) sich ein Glas Wein leisten, neuerdings: Man leistet sich ja sonst nichts! Leistung (spätmhd. leistungeÜbernahme einer Verpflichtung‹), in der Bedeutung ›Ergebnis einer (körperlichen oder geistigen) Arbeit, das Geleistete‹ (oft mit dem Nebensinn von etwas Besonderem) seit Zwingli; vgl. Gegenleistung, Spitzenleistung. Dazu
Leistungsgesellschaft (zuweilen mit kritischem Nebenton) ›Gesellschaft, in der v. a. materielle und geistige Leistung die soziale Stellung des einzelnen bestimmt und sichert‹ (fehlt im L337 WdG);
leistungsfähig (1846; L059 DWb): leistungsfähige Mitarbeiter, Autos, Krankenkasse.
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