Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
kein
"S242" Ahd. ni(h)heinauch nicht ein, kein‹ ergibt mhd. nehhein, nekein, umgestellt enkein, vereinfacht kein (zum Übergang zu k im Silbenanlaut vgl. "Ferkel"; H.L236 Hermann Paul, Deutsche Grammatik 1,297); daneben ahd. ni deheinnicht irgendein, kein‹, mhd. ne dehein; ohne Negationspartikel bedeutet deheinirgendein‹, aber auch ›kein‹, so daß durch Vermischung von nekein und dehein das resultierende kein auch ›irgendein‹ bedeutete: ie ze keiner stuntje zu irgendeiner Stunde‹ (Wolfram von Eschenbach, Parzival 712,19), so bis ins 16. Jahrhundert, vereinzelt noch im 18. Jahrhundert nach Komparativ: sein Sinn ist reicher weder (als) kein Meer, und sein Wort tiefer denn kein Abgrund (Luther); mehr als kein anderer Geist mit den Alten verwandt (Goethe). Doch legt man hier frühzeitig die Bedeutung ›kein‹ unter, da nach dem Komparativ eine logisch überflüssige Negation üblich wurde (vgl. "nicht"); daher z. B. auch bin ich ehe denn nie kein Tag war(Luther). Die Bedeutung ›irgendein‹ liegt eigentlich auch zugrunde, wenn eine Negation daneben steht, vgl. nun esse von dir niemand keine Frucht(Luther); nur kein Geld hat sie nicht (Lessing); tut keinem Dieb nur nichts zu Lieb (Goethe); kein ganzes Exemplar ist nicht mehr vorräthig (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Briefe IV 48,8,19). Dergleichen Sätze enthielten also eigentlich keine doppelte Negation, doch hinderte nichts, keinnegativ aufzufassen, weil auch zwei zweifellose Negationen nebeneinander gestellt werden konnten, ohne sich aufzuheben. Veraltet ist so kein, dem so einentsprechend, ↑ "so". Das Neutrum keins steht umgangssprachlich wie eins, jedes auf Personen von unbestimmtem oder verschiedenem Geschlecht bezogen, vgl. keines muß das andere weder glücklicher noch unglücklicher machen (Lessing). Es wurde früher häufig angewendet, wo wir jetzt "nichts" vorziehen: treu ist Gott und kein Böses an ihm (Luther); die Sonne duldet kein Weißes(Goethe); und mangelt ihm keins, das sein Herz begehrt (Luther); sie aber vernahmen der keines (Luther). kein ist in allgemeinem Gebrauch, wo der Logik gemäß eigentlich eine Verneinung beim Verb stehen sollte (das war kein Heldenstück, Octavio [Schiller]), daher die Möglichkeit des scherzhaften Beweises, daß eine Katze drei Schwänze habe (keine Katze hat zwei Schwänze, also muß eine Katze… ). Desgleichen wäre für es kostet keine kleine (geringe, unbedeutende usw.) Mühe u.dgl. logisch richtiger eine nicht kleine (bei Luther nicht eine kleine Bewegung, Bekümmernis). Noch weiter als in der Schriftsprache geht man im Oberdeutschen und Westmitteldeutschen, indem man kein auch prädikativ im Sinne von ›nicht‹ verwendet, vgl. Gesellschaft habe ich noch keine gefunden(Goethe); Geld habe er keines (J.P.Hebel). Umgangssprachlich heute (L337 WdG) in keinster Weiseganz und gar nicht‹. Eigentümlich ist frühnhd. kein nütz(e)nichts nütze‹, häufig bei Luther. Es ist jedenfalls umgebildet aus kein Nutz (Substantiv). Die Weiterbildung keinnützig ist noch schwäbisch (Auerbach, Mörike, L.Pfau).keinerlei (mhd. ), ↑ -{{link}}lei{{/link}};
keinesfalls (frühnhd.);
keineswegs (frühnhd.).
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Ansicht: kein