Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
Katze
ahd. kazza(vgl. altengl. catte, spätlat. cattus, catta). ↑ 1"Kater". Katze erscheint in vielen sprichwörtlichen Wendungen (vgl. L333 Karl Friedrich Wilhelm Wander, L258 Lutz Röhrich).⊚⊚ Das ist für die Katz eigentlich ›das ist so schlecht, daß man es der Katze gibt‹, daher ›das ist so gut wie gar nichts, das hilft nichts‹. Der Katze die Schelle anhängensich zu einem gefährlichen Unternehmen hergeben‹, frühneuhochdeutsch, von Goethe aufgenommen (nach einer Fabel von einer Versammlung der Mäuse, in der ein solcher Vorschlag gemacht wird, aber keine ihn ausführen mag). Geldkatze ist ein Gürtel zum Tragen des Geldes (ursprünglich wohl aus dem Katzenfell bestehend). Das Diminutiv Kätzchen uneigentlich in Eichkätzchen (auch Eichkatze) (↑ "Eichhorn"); ferner als Bezeichnung der Blütenkolben verschiedener Sträucher (Weidenkatze usw.).
katzbalgen (1508 Geiler von Kaisersberg; L345 Friedrich Karl Ludwig Weigand/ L345 Herman Hirt) umgangssprachlich ›raufen‹, ↑ "Balg".
Katzenauge
1 ein Halbedelstein (J. L.L078 Johann Leonhard Frisch 1741),
2Rückstrahler‹ (L298 Sprach-Brockhaus 1935).
KatzengoldGoldglimmer‹ (eigentlich ›geringes oder falsches Gold‹ wohl wegen der Falschheit der Katzen).
Katzenjammer als Bezeichnung für den Zustand nach einem Rausch aus der ⇓ "S211" Studentensprache stammend, seit 1768 nachweisbar (L164 Friedrich Kluge) und nach 1806 als Heidelberger und Frankfurter Wort verbreitet: Perser nennen's Bidamag buden, / Deutsche sagen Katzenjammer (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Divan IX, Welch ein Zustand! (6,213,4)). ↑ 2"Kater".
Katzenkopf als ⇓ "S191" Schimpfwort ›Dummkopf‹; ferner ›Kopfschlag‹ und ›kleiner Pflasterstein‹, schon bei L033 Joachim Heinrich Campe 1808. Veraltete Bezeichnung eines kleinen Geschützes.
Katzenmusikmißtönende Musik (als Verhöhnung)‹, ⇓ "S211" studentensprachlich Ende des 18. Jahrhunderts Laukhard (L115 Helmut Henne/ L115 Georg Objartel 6,22), dann auch im politischen Bereich neben Charivari (Ladendorf; L360 ZDW8,12f.); Jeder streicht zu, versucht sein Glück, / Es ist zuletzt eine Katzen-Musik (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Zahme Xenien V,1418f. (I,3,334)).
Katzensprung bildlich ›kurzer Weg‹ (L308 Kaspar Stieler 1691) es ist ja nur ein Katzensprung(Goethe; L059 DWb).
KatzentischNebentisch, an dem weniger geehrte Gäste oder Kinder sitzen‹ (L033 Joachim Heinrich Campe), auch übertragen: Außenministerkonferenz in Genf 1959, während der beide deutsche Außenminister am Katzentisch saßen, ursprünglich (im 17. Jahrhundert) scherzhaft ›Fußboden‹.
Katzenwäsche (1892; L177 Heinz Küpper 1) ›oberflächliches, schnelles Sichwaschen‹ (wie die Katzen, die das Wasser scheuen), eher umgangssprachlich.
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