Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
Industrie
(1754; L081 FWb) < franz. industrie. 1 Anfangs entsprechend lat. industria noch in weiter Bedeutung ›Fleiß, Geschick‹ (L174 Jürgen Elert Kruse 1769), vgl. Lessing man gebe ihm aber gesundheit, und kräfte, und industrie (L059 DWb);
2.1 im ökonomischen Diskurs wie im Französischen und Englischen speziell ›Gewerbefleiß‹ (heute veraltet): »Fleiß in den Manufacturen und Fabriken« (1768; L081 FWb) und verallgemeinert
2.2Bereich der maschinellen (Massen)produktion‹, z. B. Gewerbe und Industrie; Handel und Industrie; ⇓ "S155" die englische Industrie schon im 18. Jahrhundert (L081 FWb), dann auch eingeschränkt
2.3Sektor der Fertigung‹, mit Plural (1840; L086 GG3,247), vgl. Industriezweig L059 DWb1877; zu (2.3) zahlreiche Zusammensetzungen mit Industrie als Grundwort, vgl. L221 Gustav Muthmann.
industriell (1831; L081 FWb) < franz. industriel, verbreitet durch C. H.de Saint-Simon (Du système industriel, 1821), der durch seinen Catéchisme des industriels (1822) auch die Substantivierung
Industrieller (Das sind die Gutsbesitzer, die reichen Bankiers, die Krämer, die sich mit einem vornehmen Worte die Industriellen nennen 1832 A021 Ludwig Börne, Briefe aus Paris, Nr. 14) und den Begriff
Industrialismus (1834) < industrialisme anregte (kritisch A.Penty, Post-Industrialism, 1923; dt. Die Überwindung des Industrialismus).
Industrialisierung 1842 T.Mundt, seit ca. 1900 auch sozialwissenschaftlicher Prozeßbegriff, älter industrielle Revolution (z. B. 1845 Engels; vgl. L086 GG3,294,298).
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