Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
hohl
ahd. / mhd. hol, gemeingermanisch; zunächst1inwendig nicht ausgefüllt‹: Hole Zane, Holer Baum (beide L308 Kaspar Stieler); übertragen ›geistlos‹: hohler Kopf, hohles Wesen, ›ohne tieferen Sinn‹: hohle Worte; für Gehörseindrücke, wenn sie klingen, wie aus einem leeren Raum kommend: Holer Klang (L308 Kaspar Stieler), hohler und hohler hört man's heulen(Schiller); ⇓ "S025" erweitert
2muldenförmig eingebogen, konkav‹, wenn sich der innere Raum öffnet: die hohle Hand (L004 Johann Christoph Adelung), bei Goethe hohle Pfötchen (vgl. L059 DWb), Hohle, tief liegende Augen habend (L004 Johann Christoph Adelung), durch diese hohle Gasse muß er kommen (A222 Friedrich Schiller, Tell 4,3), die wangen so hohl (Lenau; L059 DWb), dazu HohlwegJakob, den ich nicht sehen kann in dem schwarzen engen hochwandigen Hohlweg (A143 Uwe Johnson, Jakob 193) – Hohlglas, Hohlspiegel, Hohlziegel, Hohlkehle (↑ "Kehle").
Höhle ahd. holi, mhd. höl(e); bezeichnet ursprünglich das Hohlsein (wie Höhlung, s. unten), daher Bauchhöhle, Kiefernhöhle, Stirnhöhle, dann auf den leeren Raum selbst übertragen; bildlich ›schlechter Wohnraum‹ (18. Jahrhundert; L059 DWb), daher Räuberhöhle, bei L308 Kaspar Stieler Diebshole,
sich in die Höhle des Löwen wagennach der 246. Fabel des Aesop (vgl. L258 Lutz Röhrich) ›eine Gefahr nicht scheuen‹.
höhlen ahd. holon, außer im Sprichwort steter Tropfen höhlt den Stein – bei Goethe literarisch wie den marmor… der tropfen folge höhlt (vgl. L059 DWb) – nur noch im bereits mittelhochdeutsch gebräuchlicheren aushöhlen.
Höhlung 1480 holung (L345 Friedrich Karl Ludwig Weigand/ L345 Herman Hirt), ohne Umlaut noch bei Goethe; Ihr Licht… ließ den übrigen Raum braun dämmern, machte ihn zu einer warmen Höhlung (Andersch; L097 GWb).
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