Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
Gewicht
ahd. giwihti, mhd. gewiht(e), setzt ein im Hochdeutschen nicht belegtes, aber u. a. durch mittelniederdt. wicht(e) und engl. weight angezeigtes Verbalabstraktum zu "wägen" voraus (W.L244 Wolfgang Pfeifer).1 Es bezeichnet zunächst ein Stück, früher oft aus Stein, jetzt nur aus Metall, das zum Wiegen dient, dann auch ein solches zum Hinabziehen (Gewicht einer Uhr, einer Maschine).
2 Weiter ›durch Wiegen ermittelte Masse‹, ›Schwere‹ [Goliath hatte] ein schüppicht Pantzer an / vnd das gewicht seines pantzers war fünff tausent Sekel ertzs (A180 Martin Luther, 1.Samuel 17,5). Man braucht es ferner für die besondere Art, die Norm, nach der die Schwere bestimmt wird, vgl. deutsches Gewicht, Apothekergewicht, spezifisches Gewicht.
3 Häufig ist übertragene Verwendung (vgl. Luther; L059 DWb), besonders gebräuchlich von Gewicht sein, Gewicht haben, ins Gewicht fallen, Gewicht auf etwas legen, einer Sache Gewicht beilegen, sein ganzes Gewicht in die Waagschale werfen. Für jmdm. das Gewicht halten (Lessing, Möser) jetzt das Gleichgewicht halten. Unter den Zusammensetzungen haben "Gegengewicht", "Gleichgewicht", "Schwergewicht", "Übergewicht" reichliche Entfaltung in übertragener Verwendung gehabt. Abgeleitet
gewichtig (1477; L345 Friedrich Karl Ludwig Weigand/ L345 Herman Hirt), ↑ "wichtig": seinen gewichtigen Speer (Wieland), dem gewichtigen Helm (Voß), alte gewichtige Goldgülden(Goethe), jetzt nur übertragen üblich (so schon im 16. Jahrhundert bei Fischart überwiegend): gewichtig Wort, Grund usw.; auch gewichtige alte Herren (Raabe), mit gewichtigen Tritten(Thümmel u. a.). Ferner
gewichten in der Statistik (1969; L097 GWb).
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