Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
Geiz
Im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen bestand ein Substantiv git und dazu ein abgeleitetes Verb git(e)sen, das sich in nhd. geizen (z für ts) fortsetzt; die jetzige Form des Substantivs ist durch Anlehnung an das Verb entstanden. Verwandt sind litauisch gaidas›Verlangen‹ und russ. zdat’›warten‹. Ursprüngliche Bedeutung ›Gier‹, erhalten in "Ehrgeiz"; vgl. dazu des eitlen Ruhmes Geiz (A222 Friedrich Schiller, Stuart 2,6); ferner Geiz nach Siegen (Gellert), Geiz nach Gefahren (Lessing, Herder), betrachtet… mit liebevollem Geiz das engelgleiche Bild (Wielands). Weiterhin speziell ›Gier nach Besitz‹, so noch allgemein im 18. Jahrhundert, vgl. das haben wollen, wovon ich rede, ist nicht Geiz (Goethe). Heutiger Sinn ›übertriebene Sparsamkeit‹ zuerst als Nebenvorstellung, beginnt im 18. Jahrhundert der übliche zu werden, vgl. ich verstehe hier nicht den habsüchtigen Geiz, sondern den kargen Geiz (I.Kant). Landwirtschaftlich Geizauch ›Nebenschößling‹ (1721; L345 Friedrich Karl Ludwig Weigand/ L345 Herman Hirt) sowie ausgeizen für das Beseitigen der Geize. DazuGeizhals (1526 Luther; L041 Philipp Dietz) ⇓ "S166" mit entsprechender Entwicklung vom ›habgierigen‹ zum ›knauserigen Menschen‹;
Geizkragen (L033 Joachim Heinrich Campe 1808 s. v. Geizhals). Dementsprechend
geizen mhd. git(e)sen, vgl. wir sollen nach Lorbeer nicht mehr geizen (Goethe), sie geizte nicht nach Reichtümern (Musäus); dagegen später mit etwas geizenknausern‹; ferner
geizig ahd. gitag, mhd. gitec, im 15. Jahrhundert geiczig, vgl. lasset uns nicht eiteler Ehre geizig sein (Luther), er ist so geizig nach Ruhm (Leisewitz), so würde ich nach dem Tode Ihres teuren Sohnes geizig sein (Schiller).
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