Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
ermangeln
(13. Jahrhundert Berthold von Regensburg; L060 2DWb) wird wie 2"mangeln" unterschiedlich konstruiert, heute im Vergleich zu jenem jedoch seltener gebraucht.1 Die älteste und zugleich (im Gegensatz zu mangeln) jetzt geläufige Konstruktion ist, daß der Gegenstand, dem etwas fehlt, als Subjekt steht: einer Sache ermangeln.
2 Es erscheint aber auch wie bei mangeln das Fehlende als Subjekt: wo die Fingerzeige der niedergeschriebenen Historie ermangeln (Lessing), wo nichts ermangelt (Goethe), wozu ihr Ernst, Mittel und Gelegenheit oft ermangeln mögen (Goethe), wenn ihr der Geschmack an dieser lieblichen Lektüre ermangelt hätte(Tieck).
3 Endlich steht es unpersönlich: hier ermangelts an den Dingen (Logau), bei einem sehr wohl besetzten Mittagstische ließ man sich's an keinem Genuß ermangeln (Goethe), weil es uns an jener Übung und Sicherheit ermangelte (Tieck).
4 Seit dem 17. Jahrhundert mit persönlichem Subjekt nicht ermangelnversäumen, unterlassen‹ mit zuund Infinitiv, schon bei Wieland häufig, jetzt nur noch förmlich, verwaltungssprachliches Substantiv in der Wendung in Ermangelung (1673 Weise; L059 DWb), in Ermangelung genauer Angaben war man auf Vermutungen angewiesen(L337 WdG).
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