Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
erholen
ahd. irholon, mhd. erholn; in der älteren Sprache zunächst1 ein intensiviertes "holen": Erz… so wir von Kluften tief erholen(1649 Spee; L320 Trübner), danach erscheint es häufig mit der gleichen Art von Objekt wie einfaches holen, so noch bei Lessing Dir… möge es so gehen, wie du es an mir erholt (›verdient‹) hast. Daneben erscheint (schon mittelhochdeutsch) sich erholen mit Genitiv, einerseits in dem Sinn
2.1sich durch Holen mit etwas versorgen‹, erhalten in jetzt nicht mehr üblichem sich (Dativ oder Akkusativ) Rats erholen (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Dichtung und Wahrheit 26,38,26); mir Rats zu erholen (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Brief vom 10.3.00), mich Rats erholen (Brief vom 17.4.12). Andererseits
2.2sich zum Ersatz für etwas versorgen, sich für etwas entschädigen‹, am längsten üblich in sich seines Schadens erholen (Wieland, Goethe, Jean Paul): daß der Kläger und seine Freunde sich dessen aus des Bischofs eigenen Gütern erholen möchten (Möser); zuweilen in diesem Sinn auch ohne Genitiv: auch scheint es, daß sie Lust haben sich zu erholen (Goethe, Briefe);
3 daraus erklärt sich dann reflexiv erholen in dem jetzt üblichen Sinn ›ausruhen, seine Kraft wiederherstellen‹ (schon mittelhochdeutsch), selten transitiv (A075 Johann Wolfgang von Goethe, Faust II,7265), noch A201 Friedrich Nietzsche: Wo gibt es Menschen, die mich etwas zu erholen vermöchten? (an P.Gast 20.9.1880).
Erholung in der Bedeutung ›Erquickung, Erfrischung‹ 15. Jahrhundert; Erholungsstunde (Wieland), Erholungsreise (1807), Erholungsurlaub (1919; L060 2DWb).
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