Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
dulden
ahd. / mhd. dulten, im 8. Jahrhundert im deutschen Südwesten als Wiedergabe des neuen christlichen ›duldenden‹ Leidensbegriffes (wie roman. sufferre) erscheinend, vgl. de Smet, L354 WW5,70); es ist abgeleitet aus dem westgermanischen Verbalabstraktum ahd. thult(↑ "Geduld").1 ›(etwas Unangenehmes) erleiden, durchmachen‹, in welchem Sinn man jetzt erdulden vorzieht;
2 damit konnte sich der Nebenbegriff verbinden, daß man etwas freiwillig, ohne Auflehnung über sich ergehen läßt, und so bedeutet es jetzt gewöhnlich ›sich gefallen lassen, hinnehmen‹ (schon althochdeutsch), auch ›zulassen‹. Vgl. die entsprechende Entwicklung bei "leiden". Reflexiv sich dulden früher wie sich "gedulden" (Herder).
duldsam (17. Jahrhundert) früher auch wie "geduldig" auf das Ertragen wirklichen Leidens bezogen: der Pflugstier, der die ungeheure Kraft des Halses duldsam unters Joch gebogen(Schiller), den duldsamen Patienten (Musäus); auf die Fähigkeit des Wartens: duldsam abzuwarten (Musäus); daneben ›nachsichtig, tolerant‹ mit Gegensatz
unduldsam, wozu wiederum
UnduldsamkeitIntoleranz‹ (Herder; L059 DWb).
Sie können einen Link zu dem Wort setzen

Ansicht: dulden