Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
angenehm
(14. Jahrhundert; L060 2DWb) älter synonym annæme, genæme; ↑ "genehm", "Annehmlichkeit". 1akzeptabel, gut gelitten‹ (von Personen und Sachen), häufig bei A180 Martin Luther, z. B. Lukas 4,24 Kein Prophet ist angenehm (lat. acceptus) in seinem Vaterlande; noch A177 Gotthold Ephraim Lessing [der Stein] hatte die geheime Kraft, vor Gott / Und Menschen angenehm zu machen (Nathan 3,7);
2 dann ›der Empfindung wohltuenddas angenehmste Plätzchen, das ich jemals sah (H.v.A160 Heinrich von Kleist, Käthchen 3,1); angenehmer Mitgast (A075 Johann Wolfgang von Goethe, 31,115); näher bestimmt von I.A152 Immanuel Kant: Angenehm ist das, was den Sinnen in der Empfindung gefällt; ferner: Angenehm heißt jemandem das, was ihn vergnügt; schön, was ihm bloß gefällt; gut, was geschätzt, gebilligt … wird (Kritik der Urteilskraft §§3,5). Geflügeltes Wort: das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden (wohl nach ⇓ "S074" Horaz, vgl. L027 Büchmann); noch üblich die kommunikative Formel (sehr) angenehm!, wenn man mit jmdm. bekannt gemacht wird (L337 WdG); veraltet als Briefanrede: Angenehmste Henriette! (Lessing; L264 Daniel Sanders);
3"S106" kaufmannssprachlich bis ins 19. Jahrhundert ›gefragt, begehrtwenn der Zucker als angenehm notirt war (1855 Freytag; L277 Alfred Schirmer, Kaufmannssprache). Gegensatz
unangenehm (15. Jahrhundert), besondere Wendungen: unangenehm auffallen (Goethe; L059 DWb), älter unangenehm fallen; unangenehm berührt sein: unangenehm durch dieses wort berührt (Mörike; L059 DWb); unangenehm (›grob‹) werden (Gutzkow; L059 DWb).
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