Hermann Paul - Deutsches Wörterbuch
-zig
in "zwanzig", vierzig usw., ursprünglich selbständiges gemeingermanisches Wort ›Dekade, Zehnt‹ (gotisch -tigus, altnord. tigr, engl. -ty), verwandt mit ↑ "zehn". Damit etymologisch identisch ist -ßig in dreißig, wegen des vorausgehenden Vokals lautlich anders behandelt. Eigentümliche Anwendung des Plurals: (er steht) in den Zwanzigern usw. ›in dem Alter zwischen 20 und 30‹ (eigentlich ›in einer von den Zahlen, die mit zwanzig zusammengesetzt sind‹). Über einige zwanzig vgl. ↑ "einig". Abgeleitet Zwanziger, Dreißiger, auch Einundzwanziger usw. in verschiedener Verwendung: er ist ein Vierzigerhat eine Zahl von Lebensjahren, in der vierzig enthalten ist‹, auch ein starker Vierziger; Wein wird nach dem Jahrgang bezeichnet z. B. als Vierundsechziger usw. (das Jahrhundert dazu verstanden); so zuweilen auch von Personen er ist ein Achtundvierziger(18)48 geboren‹, kann auch heißen ›er war 1848 dabei und vertritt die Ideen der Revolution‹, heute vor allem entsprechend Achtundsechziger, er gehört zur Achtundsechziger Generation. Außerdem werden diese Wörter wie die entsprechenden Bildungen aus anderen Zahlen gebraucht: ›Mitglied eines Kollegiums von so und so vielen Personen‹, ›Münze bzw. Briefmarke von so und so vielen Pfennigen‹. Wie die Ableitungen aus Städtenamen (Kölner usw.) fungieren sie im Genitiv Plural, der vom Nominativ Singular nicht verschieden ist, wie flexionslose Adjektive: in den achtziger Jahren (des Jahrhunderts), in den goldenen zwanziger Jahren; seltener auf das Lebensalter bezogen: er ist in den Achtzigerjahren(zwischen 80 und 90), in meinen siebziger jahren (1801 Engel; L059 DWb) nach heutiger Orthographie in meinen Siebzigerjahren. Endlich kommen auch Wendungen vor wie da er stark in den Fünfzigern steht (Goethe), die auf Vermischung von in den Fünfzigen und in den Fünfzigerjahrenberuhen. ⇓ "S058""S149" Jüngst auch verselbständigt zum Adjektivzigbeliebige Zehner bezeichnend bzw. allgemein ›viel‹, unflektiert: ein neues klatschlexikon in zig bänden (1935; L059 DWb); ein Manuskript wie zig andere (A207 Hermann P. Piwitt, Umseglung 77); auch im Superlativ: Vettern zigsten Grades (1950; L320 Trübner); davon abgeleitet zigmal (L320 Trübner), zigfach: in Form der zigfachen Vernichtungsmöglichkeit allen Lebens (A053 Claus Eurich, Megamaschine 11); zigtausend, auch Zigtausende (L056 Duden 171973). Ähnlich ↑ "X".
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