Duden Richtiges und gutes Deutsch
Negation
Unter Negation versteht man die Verneinung einer Aussage durch Negationswörter wie nicht, kein, durch Wortbildungsmittel wie die Präfixe un-, miss- usw.:Ich komme. - Ich komme nicht. Ich habe Geld. - Ich habe kein Geld. - Das ist nicht ehrlich. Das ist unehrlich.
Meist wird ein grundlegender Unterschied zwischen Satznegation (Inge kommt nicht) und Satzglied- oder Sondernegation (Nicht Inge kommt) gemacht. Die Sondernegation betrifft ein bestimmtes Satzglied (hier: Inge) und wirkt fokussierend (Fokus). In beiden Fällen wird aber ausgesagt, dass der vom Satz Inge kommt bezeichnete Sachverhalt nicht eintritt.
Zweifelsfälle treten vor allem dadurch auf, dass ein Zusammenwirken mehrerer Negationen recht unterschiedliche Wirkung haben kann. In manchen Fällen wirkt doppelte Negation verstärkend. So bedeutet Dies ist uns nicht unangenehm so viel wie Dies ist uns recht angenehm. Dagegen kommt Sie hat kein Geld nicht im Standarddeutschen nicht, sondern nur in einigen Dialekten vor. Als besonders heikel erweist sich das Zusammenwirken von Negationen bei bestimmten Satzgefügen.
1.
Sie bewahrte ihn davor, einen falschen Schritt zu tun / keinen falschen Schritt zu tun · Er hinderte ihn daran, noch mehr zu trinken / nicht noch mehr zu trinken:
Bestimmte Verben wie
abhalten, ausbleiben, bewahren, sich enthalten, sich hüten, verhindern, verhüten, vermeiden, versagen
drücken aus, dass etwas unterlassen oder verhindert wird, also dass ein Sachverhalt nicht eintritt. Wenn von diesen Verben ein Nebensatz oder eine Infinitivgruppe abhängt, wird deshalb der Nebensatz oder die Infinitivgruppe nicht auch noch verneint. Es heißt also: Sie hinderte ihn daran, noch mehr zu trinken (nicht: Sie hinderte ihn daran, nicht noch mehr zu trinken). Er hielt ihn davon ab, Lärm zu machen (nicht: Er hielt ihn davon ab, keinen Lärm zu machen). Sie bewahrte ihn davor, einen falschen Schritt zu tun (nicht: Sie bewahrte ihn davor, keinen falschen Schritt zu tun). Er hütete sich davor, dass er zu schnell fuhr (nicht: Er hütete sich davor, dass er nicht zu schnell fuhr). - Wird aber sich hüten ohne davor mit einem dass-Satz verbunden, ist die Verneinung korrekt: Hüte dich, dass du keinen Fehler machst.
Verben wie abraten, untersagen, verbieten, warnen, widerraten u. a. drücken aus, dass ein Sachverhalt nicht eintreten soll oder darf. Auch bei diesen gilt die zusätzliche Verneinung als nicht korrekt. Es heißt also: Ich riet ihm davon ab, zu erscheinen (nicht: Ich riet ihm davon ab, nicht zu erscheinen). Er untersagte seinem Sohn, dieses Buch zu lesen (nicht: Er untersagte seinem Sohn, dieses Buch nicht zu lesen). Der Arzt hat ihr verboten, Alkohol zu trinken (nicht: Der Arzt hat ihr verboten, keinen Alkohol zu trinken). Er warnte sie davor, auf dieser Straße zu schnell zu fahren (nicht: Er warnte sie davor, auf dieser Straße nicht zu schnell zu fahren).
Auch die Verben des Leugnens und Bezweifelns wie bestreiten, bezweifeln, leugnen, zweifeln u. a. enthalten bereits eine Negation. Die zusätzliche Verneinung ist nicht korrekt. Es heißt also: Er bestritt heftig, dass er dies Wort gesagt habe (nicht: Er bestritt heftig, dass er dies Wort nicht gesagt habe). Sie leugnete dies getan zu haben (nicht: Sie leugnete dies nicht getan zu haben).
2.
Die Mutter geht nicht schlafen, bevor die Kinder zu Hause sind / bevor die Kinder nicht zu Hause sind · Ich werde nichts unternehmen, ehe ich die Erlaubnis habe / ehe ich nicht die Erlaubnis habe:
Bestimmte temporale Konjunktionen wie bevor, bis, ehe bezeichnen Nachzeitigkeit, d. h., sie besagen, dass der vom Hauptsatz bezeichnete Sachverhalt vor dem vom Nebensatz bezeichneten eintritt. Das hat insofern etwas mit Negation zu tun, als der vom Nebensatz bezeichnete Sachverhalt noch nicht eingetreten ist, wenn es der vom Hauptsatz bezeichnete bereits ist: Ich kam nach Hause, bevor Vater da war. (= Vater war noch nicht da, als ich nach Hause kam). Neben dieser rein zeitlichen Aussage kann man aber mit bevor, bis oder ehe zugleich auch eine Bedingung ausdrücken. Nur in diesem Fall kann auch der Nebensatz mit bevor, bis oder ehe noch einmal zusätzlich verneint werden: Ich werde nichts unternehmen, bevor ich nicht die Erlaubnis habe (besser: bevor ich die Erlaubnis habe). Ich treffe keine Entscheidung, bevor ich nicht mit ihm gesprochen habe (besser: ... bevor ich mit ihm gesprochen habe). Ist der Nebensatz mit bevor, bis oder ehe dem übergeordneten Satz vorangestellt, so ist diese zusätzliche Verneinung zu empfehlen: Bis du nicht unterschrieben hast, lasse ich dich nicht fort. Bevor die Kinder nicht zu Hause sind, geht die Mutter nicht schlafen. Ehe ihr nicht aufhört, euch laut zu unterhalten, werde ich die Sonate nicht vorspielen.
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