Duden Richtiges und gutes Deutsch
besitzen
1. Partizip II: besessen.
2.
besitzen / haben: Die Grundbedeutung von besitzen ist »auf etwas sitzen«. Die Bedeutungsentwicklung zu »als Eigentum, als Besitz haben« geht von Fällen aus, wo diese Grundbedeutung noch durchschimmert: einen Hof, Land, ein Haus besitzen. Schließlich bezieht sich besitzen auf alles, was man als materiellen oder geistigen Besitz erwerben und zu eigen haben kann und worüber man mehr oder minder frei verfügen kann. Dazu gehören auch Eigenschaften meist positiver, aber auch negativer Art, sofern sie nur fest mit dem betreffenden Menschen verbunden sind und ihn für die Dauer oder wenigstens für eine gewisse Zeit charakterisieren: viele Bücher, ein Auto, eine Waschmaschine, Wertpapiere, die Mittel besitzen, Talent, Fantasie, jemandes Vertrauen, Geschmack, die Frechheit, die Dreistigkeit besitzen. Das Verb haben hat eine allgemeinere Bedeutung. Es stellt zunächst nur ein Vorhandensein fest und sagt über den Besitz als solchen nichts aus: Er hat Geld bei sich (= dabei), aber: Er besitzt viel Geld (= er ist reich). Es tritt überall dort auf, wo die Vorstellung eines Besitzes (gleich welcher Art) nicht zutreffend ist. So sagt man nicht: Sie besitzt einen guten Posten, sondern: Sie hat einen guten Posten. Nicht: Er besitzt eine nette Frau und drei reizende Kinder, sondern: Er hat eine nette Frau und drei reizende Kinder. In den meisten Fällen kann haben für besitzen eintreten, nicht aber umgekehrt. Nicht korrekt ist es, besitzen statt haben zu verwenden, wenn nur ein Vorhandensein und nicht die speziellere Beziehung des Verfügens ausgedrückt werden soll. Man kann also nicht sagen: Er besaß Schulden. Sie besitzt blaue Augen. Das Zimmer besitzt drei Fenster. Auch in festen Wendungen kann man haben nicht durch besitzen ersetzen. Also nicht: Er besaß ein Ohr / kein Herz für die Not des einfachen Mannes. Sie besitzt keine Ahnung.
Sie können einen Link zu dem Wort setzen

Ansicht: besitzen